Kambodscha

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Abschlussprüfungen

Dienstag, August 7th, 2012

Doch, die gibt es tatsächlich. Abschlussprüfungen. Am Ende des 12. Schuljahres gehts ans Eingemachte. Es werden Fragen gestellt in 13 Fächer. Kambodschanische Geschichte, Geografie, Biologie, Chemie, Mathematik, Englisch, Wissenschaften, Ethnologie, usw. In Khmer und Mathe gibt es je 100 Punkte zu holen, in den anderen Fächer je 50. Das ganze Land führt diesen Test an den selben zwei Tagen durch. Die selben Fragen werden gestellt in jeder Schule. Dieser Test ist wegweisend für die jungen Kambodschaner. Er entscheidet ob der Schüler weiter an eine Universität kann oder nicht. Viele Kambodschaner schaffen es gar nicht bis zur High School. Sie müssen schon während der Primar oder Sekundarschule aufhören zu lernen, weil sie es sich nicht leisten können. Die Schule ist in Kambodscha eigentlich gratis bis zum 12. Schuljahr, dennoch werden die Lehrer sehr schlecht bezahlt und erheben lern gebüren, die die Schüler regelmässig abliefern müssen. Viele Eltern mit drei oder mehreren Kindern können sich das nicht leisten. Viele Eltern nehmen auch ihre Kinder aus der Schule, damit sie bei der Arbeit auf den Reisfeldern oder auf dem Markt aushelfen können. Viele Organisationen versuchen Eltern zu ermuntern, dass sie ihre Kinder zur Schule senden um sicher zu stellen, dass sie dann später eine gute Ausbildung erhalten. Aber dennoch werden viele Kinder von der Schule abgezogen.
Im Gespräch mit meinen Mitarbeitern habe ich herausgefunden, dass die lernmotivation auf der High School nicht sehr hoch ist. Während den stunden wird geschwatzt, telefoniert, etc. Und den Lehrer kümmert es nicht wirklich. Andere Schüler sind nur teilzeit anwesend, weil sie sich neben der Schule auch noch um ihre Familie kümmern müssen. Dementsprechend schlecht sind die Schüler auf den Abschlusstest vorbereitet. Dennoch bestehen viele Schüler die tests. Warum? Die Schlüssel zum Test kommen im Voraus in den Umlauf. sie werden kopiert, verbreitet und verkauft. Bis zu 300$ legen Schüler auf den Tisch um einen Schlüssel zu erhalten. Die copy shops um die Schulen herum machen einen reissenden Umsatz in diesen Tagen. Früher würden die Strassen um die High Schools grossräumig abgesperrt und die Copyshops wurden geschlossen. Heute sieht es anders aus. Die Copyshops sind offen. Tag und Nacht. Sie machen das Geschäft des Jahres.
Den Aufpassern in den Klassenzimmern wird etwas zugesteckt, damit sie sich nicht all zu sehr auf das spicken achten.
Das schwindeln für Prüfungen ist hier zu Lande schon fast eine Kultur. Aber ist das zu rechtfertigen? Viele können sich nicht leisten ein weiteres Jahr in der Schule zu verbringen. Andere haben Angst, sie könnten das Gesicht verlieren, wenn sie auf der “durch gefallen” Liste stehen würden.
Jedoch hat dieses Phänomen seine Konsequenzen. Einmal bestanden treten viele Schüler in die Universität ein, obwohl sie völlig unterqualifiziert sind. Natürlich gibt es dann auch wieder Lösungen um sich durch die Universität durchzuschleichen, aber später hat das auch Auswirkungen auf das Berufsleben und die hiesige Wirtschaft.

Gesundheitsversorgung in Kambodscha

Dienstag, Juli 24th, 2012

Seit ich wieder in Kambodscha zurück bin, bin ich auf verschiedene Art und Weise mit dem Kambodschanischen Gesundheitssystem in Berührung gekommen. Vor zwei Wochen erhielt ich um Mitternacht ein Telefon von Bunny, meinem “kleinen Bruder” hier in Kambodscha. Sein Bruder hat sein Moto in ein Auto gerammt und liegt im Spital. Ein wenig später waren wir dann auch schon dort. Dass ein Unfall Leben verändern kann erscheint logisch. Aber in Kambodscha gibt es keine Versicherung oder Vorsorge. Somit kann ein Unfall eine ganze Familie in heftige finanzielle Probleme Stürzen. In Phnom Penh wird grundsätzlich jeder verunfallte von einer Ambulanz abgeholt. Ob er dann im Spital behandelt wird hängt oft damit zusammen ob er Geld bei sich hat. Es kommt nicht selten vor, dass einer einfach im Notfall liegen bleibt bis jemand Geld vorbei bringt. Oft ist es bis dann zu spät. Spitäler erhalten sehr wenig Unterstützung aus der öffentlichen Hand und haben somit keinen Spielraum um Patienten aufzunehmen, die Ihre Versorgung nicht selber finanzieren können.

Umso mehr waren wir erstaunt, dass Bunnys Bruder schon im Röntgen lag, als wir angekommen sind. Callmette ist ein Spital, das von Frankreich unterstützt wird und verhältnismässig hohen Standard anbietet. Bunnys Bruder hatte Glück, dass er in ein solches Spital gebracht wurde und nicht in eine privat Klinik oder das Regierungsspital. Private Spitäler sind oft schlecht ausgerüstet und die Ärzte sind nicht gut ausgebildet. Diese Kliniken senden in der Nacht ihre Ambulanzen auf Streife. Sie hören den Polizeifunk ab und versuchen so schnell wie möglich den Nächsten Patienten einzusammeln. Oft mit verheerenden Folgen, weil diese Patienten in den Privatkliniken nicht sauber oder gar nicht behandelt werden.

Bunnys Bruder hatte Glück im Unglück. Er hatte sich den Oberschenkel gebrochen und sich einige Schürfungen im Gesicht zugezogen. Erstaunlicherweise wurde er relativ schnell fürs Erste verarztet und in ein Zimmer eingeliefert. Das Zimmer hat 3 Betten. Keine Klimaanlage aber ein Ventilator. Im ersten Bett liegt ein Franzose. Ihm wurde das Bein amputiert. Er ist schon seit zwei Monaten im Spital. Auf der anderen Seite ein Kambodschaner mittleren Alters. Ihm hängen viele Schläuche aus dem Bauch. Bunnys Bruder bewegt sich nach wie vor nicht wirklich. Im Spital steht so quasi nichts zur Verfügung. Darum war es nötig das wichtigste zu organisieren. Bettpfanne, Wasser, etwas zu essen, Zahnbürste, Seife. Viele Leute halten sich im Zimmer auf. Oft bleibt die ganze Familie mit dem Patienten im Spital und kümmert sich um ihn. Weil nicht immer alle Platz haben richten sich Angehörige ausserhalb des Spitalblocks ein.

Mittlerweile ist es 3 Uhr morgens. Es fühlt sich im Spital an, wie wenn es mitten am Tag ist. Viel Hektik, viele Leute. Als Bunnys Bruder schliesslich platziert wurde und wir die erste Rechnung bezahlt haben machten wir uns dann auf den Nachhause weg.

Die Anzahl der Verkehrsumfälle in der Nacht ist horrend. Nach etwa 9 Uhr herrscht Hierarchie auf der Strasse. Die Polizei macht Feierabend um etwa 7 Uhr. Die Ampeln stellen ab und der Verkehr nimmt ab. Die leeren Strassen führen dazu dass viele vor allem junge Fahrer die Geschwindigkeit Ihrer Motorräder ausnützen. Oft ohne Helm und mit Alkohol im Blut. Und ohne Rücksicht auf Verlust. Regelmässig fahren wir an Unfallstellen vorbei. Falls der Unfallverursacher flüchten kann, tut er das auch. Bleibt einer verletzt liegen passiert es nicht selten, dass ihm alles aus den Hosentaschen genommen wird bevor sich jemand um Ihn kümmert.

Bunnys Bruder hatte Glück. Er war viel zu schnell Unterwegs auf dem Moto eines Freundes. Der Freund hat sich rechtzeitig vom Moto gestürzt und blieb unverletzt während Bunnys Bruder die Kontrolle verlor und in ein Auto krachte. Für eine Familie wie Bunnys Familie bedeutet ein derartiger Unfall ein finanzielles Desaster. Spitalkosten, geschrottetes Moto, kaputtes Auto… Obwohl beim Letzteren hatten sie Glück. Bunnys Vater kennt den Polizeichef und muss für den Autoschaden nicht aufkommen. Ihm hat das löcherige System für einmal in die Hände gespielt.

Ich sehe weiterhin jede Nacht Jungs auf ihren Motos durch die Strassen rasen. Auch sie werden mal die Kontrolle verlieren. Das frustrierende ist, dass meistens unbeteiligte von diesen Unfällen betroffen sind.

Valentinstag in Kambodscha. Love is in the air! Oder auch nicht.

Mittwoch, Februar 15th, 2012

Ja tatsächlich hat der Valentinstag hier in Kambodscha, oder zumindest in Phnom Penh einen riesigen Stellenwert. Bon Sang-Sa (Schatzeli-Fest) oder Bon Ney Kdey Srolang (Fest der Liebe) wird der 14. Februar hier genannt. Ein riesiges Marketingspektakel zeichnet sich schon mehrere Wochen vor dem 14. Februar ab. Besonders beliebt sind riesige Stofftiere, Hello Kitty Accessoires und eigentlich alles was pink und rosarot ist.
Doch es liegen Sorgen in der Luft. Vor einiger Zeit habe ich in einem Beitrag über Beziehungen hierzulande erzählt: http://chrisincambodja.ch/2010/09/love-message/
Die Verwaltung und Eltern machen sich sorgen am Valentinstag. Teenager bleiben von der Schule Fern weil die Schüler mit ihren Honeys lieber in Shopping Malls gehen für einen Romantischen Tag (Shopping Malls sind das non plus Ultra hier). Und Singles gehen nicht zur Schule, weil ja sowiso niemand dort ist.
Schwieriger wird es wenn es um die Erwartungshaltungen von jungen Herren an ihre Honeys geht. Viele freuen sich auf ihr erstes Mal an diesem magischen Tag. Ob das ein Problem ist, ist eigentlich Ansichtssache, aber hier in Kambodscha ist es deutlich gegen die Traditionellen Vorstellungen, wenn er und sie eine sexuelle Beziehung haben vor der Ehe. Doch die Gästehäuser spüren die Möglichkeit und bieten Ihre Räume zu besonders günstigen Stundentarifen an. Ich lernte, dass am Valentinstag reihenweise Mädchen ihre Unschuld verlieren. Minderjährig, vor der Ehe. Mädchen versuchen sich noch stärker an die Traditionen zu halten. Schlussendlich haben sie auch mehr zu verlieren. Aber viele Jungs machen Druck und stellen ihre Mädchen vor der Wahl. Sex oder Trennung.
Dieses Jahr hat die Regierung präventive Massnahmen vorgenommen. Gästehäuser wurden angehalten, Teenager auf Ihre Volljährigkeit zu prüfen und wurden darauf vorbereitet, dass es zu Razzien kommen wird. Blumenstände rund um Schulen wurden verboten. Schüler die in der Nacht noch herumgeschlichen sind wurden von der Polizei nach Hause gseschickt. Schüler tragen Uniformen und sind von dem her erkennbar.
Sogar der Ministerpräsident hat seine Bedenken wegen dem Bon Sang Sa ausgedrückt.
Und Schulen haben Prüfungen für den 14. Februar angesagt, um die Schüler davon abzuhalten an diesem Tag fern zu bleiben.
Scheinbar haben die Vorkehrungen Wirkung gezeigt. Aber dennoch war Phnom Penh gestern im Ausnahmezustand. Und ich will das nicht nur als negativ bezeichnen. Die Strassen waren voll mit Autos, die Restaurants voll mit Besuchern. Fast jeder hatte etwas zu feiern gestern. Blumenverkäufer verkauften ihre Rosen für einen Dollar (normalerweise für 0.25$ zu haben). Love was in the air.
Junge Kambodschaner dürfen ihre Partner normalerweise selbst aussuchen (es gibt Familien, die arrangieren die Ehen ihrer Kinder) Aber im grossen und ganzen ist das Land noch sehr konservativ. Ganz im Kontrast zum Valentinstag. Einerseits ist es schön, das Land in einem derart ausgelassenen Zustand zu sehen, anderseits ist es schwierig zu beobachten, wie sich junge Leute blind einem Marketing Gag (Für mich ist der Valentinstag nichts anderes als Marketing) hingeben und dabei Entscheidungen treffen, die ihr Leben grundsätzlich verändern können. Wie gesagt können die Konsequenzen speziell für Frauen gnadenlos sein.
Love is in the air, oder auch nicht. Wie auch immer, ich habe mich dazu entschieden den Valentinstag auf die restlichen 364 Tage im Jahr zu verschieben :)

Hier ein interessanter Bericht: http://www.phnompenhpost.com/index.php/2012021454496/National-news/a-vigilant-valentines.html

Alltag in Kambodscha und seine Fazetten

Donnerstag, Januar 26th, 2012

Was unterscheidet sich von meinem Alltag hier in Kambodscha von meinem Alltag in der Schweiz? Mal abgesehen vom Wetter?
Das erste Jahr in Kambodscha war ein wenig ausserordentlich. Ich habe an vielen verschiedenen Orten gearbeitet und hatte viele Aufgaben. Root IT, Englisch unterrichten, Khmer lernen, im Büro aushelfen, etc. Doch seit ich bei Web Essentials bin sieht es ein wenig anders aus. Mein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr am morgen. Meine Pünktlichkeit lässt zu wünschen übrig. Das hat nicht nur mit mir zu tun, sondern auch mit dem massiven Verkehr. Web Essentials ist am einen Ende der Stadt, ich wohne am anderen Ende der Stadt. Noch vor einem Jahr brauchte ich für diese Distanz etwa 15 Minuten mit meinem Motorrad. Mittlerweile hat sich die Verkehrssituation derart verändert, dass ich 30 oder mehr Minuten brauche. Es gibt viel mehr Autos und die Anzahl Strassenampeln hat sich verdoppelt binnen nur eines Jahres. Eine negative Folge davon ist, dass ich Asthma diagnostiziert bekommen habe. Dinge wie Vergaser oder den Motor abstellen kennt man hier in Kambodscha nicht. Oder kaum.
Wir arbeiten eine 5 Tageswoche, 40 Stunden. Meine Anstellung ist 80%, damit ich an 2 Morgen Khmerunterricht nehmen kann. Dennoch läuft es darauf heraus, dass ich meine freien Morgen meistens im Büro verbringe.
Mein Arbeitstag ist intensiv. Kunden Gespräche, Emails beantworten, Verträge schreiben, Konzepte schreiben, Arbeitsaufwände schätzen, Interne Sitzungen, Mitarbeitergespräche, Kundenkontakte mit der Schweiz, etc. Immer wieder wird es sehr spannend wenn es um einen Vertragsabschluss geht. Es ist ein schönes Gefühl, einen Vertrag unter Dach und Fach zu kriegen.
Die grösste Schwierigkeit die wir hier haben ist, dass wir ein hochqualitäts Produkt verkaufen. Webseiten auf TYPO3 mit Maintenance Service und regelmässigen Schulungen. Die Konkurenz ist gross. Vor allem kleinere inhouse firmen verkaufen ihre Webseiten für sehr kleine Preise. Die Herausforderung besteht darin unsere potentiellen Kunden wegen Kosten und Wert der Kosten zu überzeugen.
Da viele unserer Kunden aus Europa kommen bedeutet das auch, dass ich von Zeit zu Zeit einen Abend im Büro verbringe. Auf Grund der Zeitverschiebung.

Ich verlasse das Büro meist erst wenn es dunkel ist. Nach dem Arbeiten gehe ich Khmer Boxen. Das tut gut und hält fit. Seit neuestem hat Phnom Penh auch ein Kino. Oder ich treffe mich mit freunden oder in unserem Schweizer Hauskreis. Aber da die Möglichkeiten in Phnom Penh sehr begrenzt sind verbringen wir auch viele Abende zu Hause, kochen oder schauen einen Film oder beides.

Am Sonntag gehen wir in die internationale Kirche. Mittlerweile spiele ich fast jeden Sonntag Schlagzeug. Nach dem Gottesdienst verbringen wir normalerweise Zeit mit unseren Freunden und gehen für gewöhnlich zusammen Mittagessen.

Und alles andere aufregende was um mich herum passiert versuche ich natürlich im Blog fest zu halten ;)

Männer und Frauen in Kambodscha

Donnerstag, Januar 19th, 2012

In meinen Khmer lektionen dreht es sich nicht nur um das sprechen, lesen und schreiben, sondern auch immer wieder um die hiesigen Bräuche und Gepflogenheiten.
Neuestens habe ich mich mit meinem Lehrer über die Position von Mann und Frau unterhalten. Denn eines steht für mich schon lange fest; als Frau in Kambodscha hat man es nicht einfach.
Eine traurige und schwierige Tatsache ist, dass Frauen in “Ehe-Material” und “Nicht-Ehe-Material” eingeteilt werden. Sexuelle Moral ist in Kambodscha sehr hoch geschrieben. Aber hinter dem Vorhang sieht es anders aus. Es wird oft früh geheiratet. Weil eine Aussereheliche Beziehung zwischen Mann und Frau nicht toleriert wird (in der Stadt noch eher als auf dem Land). Jetzt kommt dazu, dass viele verheiratete Männer noch ein “Sang-Sa” (Schatzi) nebenbei haben. Dies wäre dann eine oder mehrere Frauen der “Nicht-Ehe-Material” sorte. Mann findet sie vor allem in Karaoke Clubs. Es gibt unzählige Karaoke Klubs in Kambodscha. Von kleinen Lokalen bis zu ganzen Gebäuden. Karaoke ist mit Prostitution gleichzustellen. Wenn man einfach nur Karaoke singen gehen möchte, muss man wissen wo. Wie gesagt, haben viele Ehemänner noch eine Freundin nebenbei. Meist weiss die Ehefrau von dieser Beziehung und ignoriert sie. Es steht der Ehefrau nicht zu sich zu wehren.
Aber wie kann es passieren, dass Fremd gehen so kultiviert wird? Die genaue Antwort habe ich nicht. Denn es widerspricht eigentlich absolut der Kambodschanischen tradition. Dennoch haben die Männer die Möglichkeit sich ohne grossen Aufwand im Tempel wieder rein zu waschen. Diese Möglichkeit bleibt einer Frau verwehrt. Eine Frau, die unehelichen Geschlechtsverkehr hatte gilt als befleckt und wird geächtet. Sie wird zum “Nicht-für-Ehe” Material.
Dies ist auch der Grund wiso eine Scheidung oder eine Trennung für eine Frau Verheerende Folgen haben kann. Sie wird verstossen und die Chance dass sie wieder einen Ehemann findet sind sehr klein.
Mein Lehrer hat mir erklärt, dass man die Frauen als Papier und die Männer als Seife bezeichnet. Macht eine Frau etwas das nicht den Erwartungen entspricht, so wird das Papier besudelt. Das Papier kann bis zu einem gewissen grad wieder gesäubert werden, aber wird nie mehr so aussehen wie zuvor. Sprich sie wird ihr Vergehen nie mehr richtig los. Männer werden als Seife bezeichnet, weil eine Seife gut riecht. Auch wenn Seife in schmutziges Wasser wirft riecht sie noch immer gut.

Bitte beachtet, dass dieser Text nicht meine Meinung wiederspiegelt, sondern das eine Auslegung von dem ist, was ich hier gehört, gesehen und gelernt habe.

Zum neuen Jahr

Sonntag, Januar 15th, 2012

es ist a der zeit dass ich wieder mal etwas schreibe. die zeiten sind hektisch. auch hier in kambodscha ist viel los.
die weihnachtszet ist vorbei. mein weihnachtsbaum ist wieder in die schachtel verstaut worde. zum zweiten mal.
wir hatten ein wndervolles fest mit freunden am sylvesterabend. wir haben ein boot gemietet auf dem tonle sap und sind fuer drei stunden auf dem wasser hin und her gegondelt. etw fuenfzig leute sind gekommen. dreissig haette ich hoechstens erwartet. das tollste war , dass mein lieber freund und tuktuk fahrer mit uns gekommen ist und seine familie mitgebracht ht. kon und ich wurden zu sehr guten freunden. wir unterhalten uns stundenlang auf khmer. danke hierbei an devid und anna. ich bin nach wie vor mit der khmer schrift beschaeftigt. ein riesen projekt. aber mein lehrer sothea macht eine super job. nach wie vor. er hat uebrigens mittlerweile geheiratet. das war ein ganz spezieller anlass.
in der arbeit ist es sehr intensiv im moment. aber ich bin gluecklich,dass ich ein paar wichtige erfolge erzielen durfte. keider hoert mein mitarbeiter makara auf ende monat auf. es wird sehr schwierig werden ene ersatz zu finden. aber ich freue mich auch darauf jemand neues in mein feld einarbeiten zu duerfen.
und a der hochzeitsfront geht natuerlich die post ab. die fluege sind gebucht. die daten festgelegt und kommuniziert. die gaestelisten sind geschrieben, das restaurant gefunden und die ehevorbereitung via skype mit marys pastor sind super interessant. wir freuen uns sehr bis es soweit ist. aber es wartet noch unglaublich viel arbeit auf uns. und auch schwierige entscheidungen muessen gefaellt werden. aber es fuehlt sich sehr gut an zu spueren wie viele von euch sich mit uns mitfreuen.
bitte entschuldigt die fehlenden kommas. ic schreibe diesen eintrag auf einem sehr schreibeunfreundlichen geraet. aber es klappt. bis zum naechsten mal.

Wieder mal Weihnachten in Kambodscha

Donnerstag, Dezember 22nd, 2011

Bezüglich Weihnachten bin ich äusserst Konservativ. Zuerst Weihnachten im Familienkreis, dann Weihnachten bei Grossmami, dann Weihnachten mit Grossmutti. Anders gehts nicht. Volles Programm vom 24. bis zum 26. Und wenn ich mal Heirate wird das meine Frau mitmachen müssen. Oder auch nicht. Jetzt hat sich sowiso alles verändert. Weihnachten bei weihnächtlichen 30 Grad warten auf uns. Von Familie keine Spur. Halloooooooo wo seeeeeeeeit iiiiiiiiiiiiihr?? Ok, zumindest wird Marys Schwester in 24 Stunden bei uns ankommen. Somit sind wir schon fast eine kleine Familie. Ich habe das Gefühl, im Ausland zu leben lässt konservatives Denken nicht zu. Hier ist ja alles anders. Alles? Nicht ganz. Der Weihnachtsstress bleibt uns erhalten. Es geht mächtig zu und her bei Web Essentials. Nach einer ruhigen Phase werden wir im Moment von Anfragen überschüttet. Was speziell für mich einen haufen Arbeit und viele Überstunden bedeutet. Verträge, Konzepte, Meetings, Skype Meetings, Interne Besprechungen, Absagen und Zusagen, Weihnachts event, Kunden Weihnachten, etc. Eine riesige Achterbahn.
Auch Kambodscha, zumindest Phnom Penh, bereitet sich auf Weihnachten vor. Die Zahl der aufblasbaren Christmas Men hat sich sicherlich verdoppelt. Das Arsenal an Plastikutensilien und Schmuckstücken vervierfacht. Und mein Weihnachtsbaum zu Hause ist noch viel schöner als letztes Jahr. Sogar die Palmen auf meinem Balkon haben etwas Bling Bling abbekommen.
Im Moment hat sich aber bei mir vieles Beruhigt. Ich freue mich sehr auf meine Hochzeit. Obwohl noch vieles im Ungewissen ist. Selbst die Airline die wir gebucht haben ging bankrott. Aber wir sind zuversichtlich, dass schlussendlich alles klappen wird.
Heute Abend feiern wir ein wenig früher Weihnachten im Kreise unserer Schweizer und Deutschen freunde. Ein Kambodschaner wird für uns ein Festessen zubereiten. Wir freuen uns.
Ich hoffe ihr seid alle bereit für Weihnachten. Ich wäre noch so gerne mit euch. Vielleicht nächstes Jahr, oder sonst irgendwann.

Social Business bildet internet-Programmierer in Kambodscha aus – Thaizeit – www.thaizeit.de

Montag, Oktober 10th, 2011

Social Business bildet internet-Programmierer in Kambodscha aus – Thaizeit – www.thaizeit.de.

„DIE FIRMA IST MEIN ZWEITES ZUHAUSE“, SAGT PHALLA LAY. DOCH DAMIT MEINT ER NICHT, DASS ER PERMANENT ARBEITET. ER MEINT ES POSITIV. DER 24-JÄHRIGE PROGRAMMIERER UND ENTWICKLER KOMMT AM WOCHENENDE INS BÜRO, UM SEINE KOLLEGEN ZU TREFFEN, DIE GLEICHZEITIG SEINE FREUNDE SIND. SIE SPIELEN BILLARD ODER KARTEN ZUSAMMEN, SURFEN IM INTERNET UND TAUSCHEN SICH ÜBER DIE NEUESTEN TECHNOLOGIEN AUS.

Von: Katja Dombrowski

Lay arbeitet bei der Webagentur Web Essentials in Phnom Penh. Indem sie ihren Mitarbeitern eine zweite Heimat bieten, haben die Schweizer Firmenbesitzer Rebecca und Dominik Stankowski bereits eins ihrer wichtigsten Ziele erreicht: Es soll in dem Unternehmen, das Internetseiten vor allem für deutsche und schweizerische Kunden erstellt, nicht nur um Arbeit und Profit gehen, ums „Business“. Sondern auch um das Miteinander, das Soziale, letztlich um die Gesellschaft. Web Essentials ist ein so genanntes Social Business.

Konkret heißt das zum Beispiel, dass das aus Basel stammende Unternehmerpaar zehn Prozent seines Gewinns an Nichtregierungsorganisationen spendet, dass der Profit zurück in die Firma fließt, dass die Mitarbeiter fair bezahlt und permanent weitergebildet werden, dass langfristige Partnerschaften entstehen und dass Verantwortung an die Mitarbeiter übergeht. „Unsere Idee ist es, uns selbst irgendwann überflüssig zu machen“, sagt Rebecca Stankowski mit einem Lächeln. „Wenn alle Positionen von Kambodschanern besetzt sind, gehen wir zurück in die Schweiz“.

Doch das ist Zukunftsmusik. Die nächsten Jahre wollen Stankowskis, die im Januar 2008 über Jobs bei Nichtregierungsorganisationen nach Kambodscha kamen und inzwischen einen zweijährigen Sohn haben, auf jeden Fall im Land bleiben. Web Essentials existiert seit April 2010 und befindet sich noch in der Aufbauphase. Zurzeit hat die Firma 44 Mitarbeiter, darunter sind außer den Firmeninhabern noch drei Expats. „Wir haben zum Beispiel einen Schweizer Sales- und Marketing-Manager eingestellt, weil wir keinen geeigneten Kambodschaner für die Position gefunden haben“, erklärt Rebecca Stankowski. Andere Ausländer kommen für einige Monate zu Web Essentials, um Trainings in TYPO3 zu geben, der Open-Source-Software, mit der die Internetseiten programmiert werden.

DER TRAUM VON DER EIGENEN FIRMA

„Mein Traum ist eine eigene Firma“, sagt Dimanche Eat, der die ausländischen Aufträge von Web Essentials koordiniert und mit Teams von zwei bis fünf Programmierern realisiert. „Aber das ist vielleicht in zehn Jahren möglich. Ich muss noch viel lernen“, weiß der 21-jährige Kambodschaner. Was er an seinem Arbeitgeber besonders schätzt: „Man bekommt hier die Chance, seine eigenen Ideen einzubringen und die Dinge selbst zu machen.“ So könne er sich immer weiter entwickeln. „Mein nächstes Ziel ist Projektmanager.“

Ausbildung und Förderung spielen bei Web Essentials eine große Rolle: Die meisten Programmierer haben den Umgang mit TYPO3 erst in der Agentur gelernt, in einem selbst entwickelten vierwöchigen Ausbildungsprogramm. Davon profitieren auch die derzeit sieben Praktikanten – IT-Studenten am Ende des Studiums, die sich nach ihrem Abschluss Hoffnung auf eine Anstellung in der Webagentur machen können. Darüber hinaus gibt es wöchentliche Trainingseinheiten zur Weiterbildung der Mitarbeiter.  „Die Ausbildung hier an den Universitäten ist weit entfernt von dem, was der Markt braucht“, sagt Rebecca Stankowski. Web Essentials verstehe sich so gesehen nicht nur als Unternehmen, sondern auch als Ausbildungsstätte, die Infrastruktur biete, Erfahrungen ermögliche und neue Techniken einführe.

So haben ihre Mitarbeiter TYPO3, das weltweit am meisten verwendete Content Management System (CMS), ins Khmer übersetzt, wodurch wesentlich mehr Menschen vor Ort die Verwendung ermöglicht beziehungsweise vereinfacht werde. Einmal im Monat stellt die Agentur ihre Räumlichkeiten für ein TYPO3-User-Group-Treffen zur Verfügung, bei dem sich 50 bis 60 TYPO3-Programmierer und solche, die es werden wollen, austauschen. „Unser Ziel ist es, auch einen Unterschied im Land zu machen“, fasst die Chefin zusammen.

“UNSERE LEUTE KÖNNEN MIT PROGRAMMIERERN IN DEUTSCHLAND UND DER SCHWEIZ MITHALTEN”

Etwa ein Drittel seiner Kunden rekrutiert das junge Unternehmen in Kambodscha. Dort erstellt es Webseiten für Firmen und Nichtregierungsorganisationen, vom Design der Seite über die technische Realisierung bis zum Training der Kunden in TYPO3, um die Seite selbst zu pflegen. Die Mehrheit der Auftraggeber sitzt jedoch in Deutschland und der Schweiz: Webagenturen, die ihre Programmierarbeit in das südostasiatische Entwicklungsland outsourcen. Das sei zum einen kostengünstig und Engpässe etwa in Ferienzeiten im europäischen Sommer oder bei guter Auftragslage könnten so überbrückt werden, erklärt Rebecca Stankowski. Zum anderen schätzten die Kunden die Expertise der TYPO3-Fachleute von Web Essentials: „Unsere Leute können durchaus mit Programmierern in Deutschland und der Schweiz mithalten.“ Zwei der kambodschanischen Mitarbeiter hätten kürzlich in der Schweiz ihr TYPO3-Zertifikat erhalten.

Open-Source-Programme wie TYPO3, die auf dem Open-Source-Betriebssystem Linux basieren und kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden können, sind in Entwicklungsländern besonders vorteilhaft. Ist die Hardware erst vorhanden, treten keine weiteren Kosten auf. Kambodschas Regierung will mittelfristig vollständig auf Open-Source-Software umstellen. Wichtige Software wie ein Betriebssystem, ein Internetbrowser, ein E-Mail-Pogramm und ein Office-Paket mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation etc. liegen bereits auf Khmer vor.

Die IT-Branche Kambodschas steckt etwa im Vergleich zum großen Nachbarn Thailand noch in den Kinderschuhen. „Zurzeit geht es für lokale Firmen noch um die Frage: Warum brauche ich überhaupt eine Webseite, und nicht darum, wie sie aussehen soll“, erklärt Rebecca Stankowski. Doch sie ist sicher, dass der Markt sich entwickeln und die Nachfrage stetig steigen werde. Web Essentials mit ihren TYPO3-Experten sind dann schon da – oder besser gesagt immer noch. Unter schweizerischer oder kambodschanische Leitung. Im Besitz der Stankowskis oder derzeitiger Angestellter. Die Einzelheiten sind noch vollkommen unklar. Doch dass es weitergeht für die „soziale“ Webagentur, steht für ihre Gründer fest.

Wieso eigendlich Freiwillig?

Samstag, November 6th, 2010

Vor einem Jahr steckte ich mitten in den Vorbereitungen für meinen Einsatz in Kambodscha. Die Kündigung war unterschrieben, der Flug gebucht, der Countdown läuft. Da war aber noch diese eine Frage, kann ich dieses Jahr finanzieren? Kritische Stimmen fragten mich, wieso ich mich auf so etwas einlasse. Eine Arbeit in einem fremden Land ohne finanzielle Unterstützung. Eine gute Frage. Und ich muss zugeben: Ich wusste es auch nicht so genau. Ich wusste einfach dass es gut ist. Nachwirkend muss ich sagen, genau der Fakt, dass ich abhängig von Menschen zu Hause bin, hat mich dazu gebracht mit ganz vielen Menschen ganz intensiv über mein Vorhaben zu sprechen. Das Resultat? Überwältigend. Überwältigend nicht aus finanzieller Sicht. Überwältigend auf Grund der riesigen Unterstützung die mir zugesprochen wurden von so vielen Menschen. Von meiner Familie, meinen Freunden, Kirche, Firma, Freunden von Freunden, etc. Und als ich im Flugzeug in Richtung Phnom Penh gesessen bin, wusste ich, dass es gut ist.
Hier in Kambodscha arbeiten viele Ausländer auf ganz verschiedene Art und weisen. Leute die ins Land kommen um ein Geschäft aufzubauen. Viele der hiesigen Kleiderfabriken sind in den Händen von Koreanern. Viele Koreanische und Malaysianische Investoren machen in diesem Land Geschäfte. Viele Organisationen sind am Werk. Geschickt von verschiedenen Regierungen oder als Non Profit Organisationen. Jede Organisation hat ihre Mission, ein Ziel. Die Arbeitsweisen sind völlig unterschiedlich. Die Akzeptanz untereinander ist manchmal mehr, manchmal weniger loyal.
Es gibt viele Menschen, die gutes Geld hier verdienen in dem sie sich für die Entwicklung des Landes einsetzen. Gewisse Organisationen können sich riesige Gebäudekomplexe, umzäunt von grossen Mauern leisten. In Kambodscha haben NGOs sogar eigene Nummernschilder (Blau). Da frage ich mich, hätte ich es finanziell nicht besser anstellen können?
Aber ich denke ich habe eine gute Wahl getroffen und würde es wieder so tun. WEC ist 100% fremdfinanziert. Unsere Kosten sind von Spendern auf der ganzen Welt finanziert. Jeder freiwillige Mitarbeiter wird von zu Hause unterstützt. Und ich spreche hier von Leuten, die zum Teil schon seit 15 Jahren hier sind.
Reich werden Freiwillige in der WEC nicht. Aber das ist auch gar nicht das Ziel. Ich habe mir überlegt, was es denn so attraktiv macht, abhängig von anderen Menschen zu arbeiten. Die Antwort habe ich in den ersten Zeilen geschrieben.
… Irgendwie bin ich gerade nicht fähig weiter zu schreiben. Tönt irgendwie so, als ob ich mich rechtfertigen will. Aber ich möchte nur ein paar Gedanken teilen, die mir immer wieder im Kopf herum schwirren.
Diese Unterstützungen bringen Abhängigkeit und Verantwortung. Aber genau diese Abhängigkeit gibt mir persönlich die Freiheit hier zu Arbeiten und zu wissen, dass es gut ist. Und ich spreche hier nicht nur von den finanziellen Unterstützungen. Nein, es geht um jede Person, die einen Blogartikel liest, eine Email schreibt, das Telefon abnimmt, wenn ich mitten am Tag anrufe, für mich betet, über mich spricht, and mich denkt, oder mir auf Facebook ein „gefällt mir“ gibt.
Irgendwie habe ich das Gefühl diese Zeilen tönen ein wenig depressiv. Ich hoffe ich liege falsch. Ich habe zwar eine relativ schwierige Woche hinter mir. Die Arbeit mit Choeun erweist sich als sehr schwierig im Moment. Und manchmal ist der Blick auf meine Erfolgs Statistik relativ ernüchternd. Dennoch bin ich extrem dankbar dass ich hier bin. Und das wäre nicht möglich, ohne all die Unterstützung, die von allen Seiten kommt. Unwichtig in welcher Form. Und genau deswegen kann ich sagen, dass es gut ist, dass ich als nicht verdienender Voluntär hier bin.
Fakt ist, dass ich seit ich hier bin, noch nie richtig Heimweh hatte. Und ich bin mir sicher, dass das sehr stark damit zusammenhängt, dass ich diesen Rückhalt von zu Hause spüre.
Es bewegt sich hier viel. In meinem Leben und in den Leben der Menschen um mich herum. Ich hoffe in eurem Leben auch =)
BTW: Nächste Woche bekomme ich Besuch von Olivia, Nicole und Yves. Ich freue mich riesig euch in meinem jetzigen Zuhause herumzuführen!

Love Message

Montag, September 20th, 2010

Einer meiner Lieblingssongs aus der Techno Allstars in den 90ern. DJ Bobo, La Bouche, Scooter etc haben mitgewirkt. Das waren noch Zeiten. Aber um das geht es eigentlich gar nicht. Denn die Khmer Jugend hat mit Elektronischer Musik nichts bis gar nichts am Hut. Von dem her findet meine Leidenschaft zwischen mir und meinem IPod statt. Mein IPod war soeben in einer Kur. Die ersten Regenstürme hat er überstanden, doch bei der letzten Wässerung hat er nicht mehr mitgehalten. Doch jetzt ist er wieder an meiner Seite wie seit eh und je. Aber auch um das geht es nicht. Ich merke gerade, dass ich noch stundenlang um den heissen Brei herum reden könnte. Doch wollen wir uns doch der Message ein wenig nähern.
Das Jahr 2010, mitten in der Kambodschanischen Love Revolution. Was bei uns vor 40 Jahren passierte ist im Moment hier voll im Gange. Kambodscha ist eine weit zurückreichende Kultur, basiert auf vielen Traditionen und Werten. Diese Werte definieren das Leben eines jeden Khmers. Sei es im gegenseitigen Umgang, Familienverhältnisse, Familienentstehungen, Arbeitsverhältnisse, etc. Der Respekt vor dem Alter ist gross. Je älter eine Person ist, desto mehr Hochachtung wird dieser Person geschenkt. Es gilt auch viel Respekt den reichen und mächtigen. Die Kambodschaner hinterfragen die Ihrigen Authoritätsfiguren nur ungern.
Die kambodschanische Kultur lässt es nicht zu, dass sich Mann und Frau privat treffen. Liebe entsteht in der Gruppe. Man trifft sich in der Gruppe und versucht sich in der Gruppe näher zu kommen. Oder am Telefon, heute natürlich auch übers Internet. Der Zustand „Freund/Freundin“ gibt es fast nicht. Das heisst, wird es wirklich ernster zwischen Mann und Frau, so wird die Verlobung ausgeläutet. Dies geschieht jedoch nur mit der Zustimmung der Familien auf beiden Seiten. In der Verlobungszeit dürfen sich die verliebten treffen. Aber nur in Begleitung einer Schwester oder eines Bruders. Ein tête a tête wird erst nach der Hochzeit möglich sein.
Jedoch lösen sich diese Stricke allmählich. Vor allem hier in Phnom Penh emanzipieren sich die Jugendlichen mehr und mehr. In den Parks zeigen sich vermehrt junge Päärchen. Der Ort Nummer 1 um sich näher zu kommen ist das Motorrad. Der Zustand einer Freund/Freundin Beziehung (Sang Sa auf Khmer) ist nicht mehr nur ein Tabu Thema. 68er Jahre in Kambodscha. Liebe wird sichtbar. Zärtlichkeit wird weniger versteckt. Am Abend im Park knistert es in der Luft.
Ich erlaube mir jetzt die Arroganz dass der werte Leser sicher meine Meinung zu dieser Entwicklung lesen würde. Nun ja diese ist gespalten. Von meinem Hintergrund her gesehen, bin ich damit aufgewachsen, dass Liebe nicht versteckt werden musste. Von dem her bewegt sich die Jugendkultur hier in ein Gebiet, das mir von zu Hause aus bekannt vorkommt. Aber es stellt sich einfach die Frage: Geht das wirklich so einfach in einem Land wie Kambodscha? Ein Land, das derart von Werten und Traditionen geprägt ist, ein Land in dem Menschen von diesen Werten abhängig sind wenn sie überleben möchten?
Problematisch wird es, wenn diese Verhältnisse Konsequenzen mit sich bringen. Zum Beispiel eine ungewollte Schwangerschaft. Sittenwächter sind in diesem Land nicht aktiv. Aber ein uneheliches Kind bedeutet das Aus für den Ruf der Mutter. Sie wird an den Rand der Gesellschaft gestossen. Mit ihr das Kind.
Ich frage mich manchmal, ob unser freizügiges System zu Hause wirklich nur von Vorteil ist. Ob unsere Freiheiten denn nur Gesund sind. Strukturen engen ein, das ist richtig, aber sie bringen auch Sicherheit und Schutz. Und speziell in einem Land indem genügend Geld nicht eine Selbstverständlichkeit ist, ist dieser Schutz nützlich. Denn viele Beziehungsprobleme, mit denen wir uns zu Hause herumschlagen kennen die Leute hier gar nicht.
Ich kann hier meine Gedanken nur oberflächlich ankratzen. Es ist spannend zu beobachten, wie sich die jüngere Generation verhaltet. Aber ich finde es auch frustrieren, wenn ich sehe, wie sich diese Jungs und Mädels in ein Verhaltensmuster bewegen, welches sie sich gar nicht leisten können und welches auch total der Ihrigen Kultur widerspricht.
Ich fände es spannend eure Meinung zu diesem Thema zu hören. Hinterlasse doch deine Gedanken als Kommentar.