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Alltag in Kambodscha #1

Freitag, August 15th, 2014

Ich habe gedacht, ich möchte ein paar kleinere Blog Einträge über Alltagserlebnisse schreiben, die irgendwie zur Normalität worden sind, aber eigentlich fern von jeder Normalität sind. Und los gets mit der ersten Story

Vor einigen Wochen wurden wir vom Ministry of Commerce zu einem Gesundheitscheck eingeladen. Dieser Gesundheitstest muss jedes Jahr gemacht werden. Er ist erforderlich um das Workbook, also eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten. Soweit so gut. Für uns war es bereits das dritte Mal, dass wir dort hin mussten.

Das Labor Hospital befindet sich am anderen Ende der Stadt. Deswegen ist das Ganze ein mehrstündiges Unterfangen.
Im Ministry angekommen geht es zu Posten 1. Ein Empfang gibt es nicht. Aber da wir schon erfahren sind, wissen wir, dass der Posten 1 auf der rechten Seite ist. Nur… dort stehen schon 100 Leute in Reihe. Scheinbar hat eine Fabrik gerade ihre ganze Belegschaft vorbei gebracht. Also stehen wir an. Als nicht-Kambodschaner bin ich etwa 1 1/2 Köpfe grösser als alle anderen. Der zuständige Arzt widerum ist ein Kopf kleiner als alle anderen. Nach etwa 5 minuten hat dieser Herr in weiss erkannt, dass Mary und ich in der Reihe stehen und beorderte uns nach vorne. Leicht peinlich berührt haben wir unseren Weg nach vorne gebahnt. Hierbei muss erwähnt werden, dass der Gesundheitstest für einen Kambodschaner 5 Dollar kostet. Für uns kostet der selbe Test 25 Dollar. Von dem her vermutlich die Sonderbehandlung. Vorne angekommen müssen wir auf eine Wage stehen. Der kleine Doktor vermittelt den Wert dem sitzenden Doktor, der die Zahl auf ein Stück Papier kritzelt. Dann wird die grösse gemessen. Also stehe ich an den Masstab und der kleine Doktor versucht mir das Lineal auf den Kopf zu legen. Er ist etwas kurz, von dem her wird’s eine Übung für Ihn. Die anderen 100 Zuschauer lachen sich einen Krampf. Mehr Aufmerksamkeit. Wir kriegen unseren Zettel mit dem Gewicht und der Grösse und werden ins Zimmer 10 bestellt. Im Zimmer 10 sitzen zwei weitere Mediziner. Wir dürfen wieder die Reihe überspringen (sorry…). Doch der Doktor ist nicht zufrieden mit uns. Wir haben unsere Passfotos vergessen. Aber wir machen jetzt mal vorwärts. Der Doktor überträgt unsere Daten von unserem Pass auf ein Formular. Name der Mutter, Name des Vaters, Beruf, Firma, etc. Ich bin noch nicht ganz sicher, warum ein Artzt und nicht eine Sekretärin für diesen Job angestellt wurde. Ich glaube der Doktor stellt sich die gleiche Frage, denn er war leicht grummlig bei der Sache (wäre ich auch, wenn ich das 1000 Mal am Tag machen müsste). Mit Mary ist er noch weniger glücklich. Sie hat ihre Passfotos vergessen. 3 müssen es sein. Obwohl wir letztes Jahr und das Jahr zuvor schon 3 Fotos abgeliefert haben. Aber kann nachgeliefert werden. Gut. Wir müssen ins Zimmer 11. Im Zimmer 11 warten drei Junge Ärztinnen. Leicht peinlich berührt kriege ich die Anweisung mich hinzusetzen. Als sie herausgefunden haben, dass ich Khmer spreche erleichtert sich die Stimmung. Puls wird gemessen, Blutdruck wird gemessen und sie schaut mir mit einer Taschenlampe in die Augen. Interessanterweise wusste sie nach diesem Check, dass meine Augenstärke ganz in Ordnung ist.

Im Zimmer 12 erwartet mich die Hölle. Blut spenden. 4 Tropfen von meinem Blut. Also setze ich mich hin. Mir gegenüber sitzen 3 weitere Probanden, die auf ihre Behandlung warten. Privatsphäre… braucht es nicht. Ich habe der Ärztin gesagt, dass ich schrecklich Angst habe, was die Stimmung im ganzen Raum erleichterte. Spass auf meine Kosten. Ich möchte jetzt nicht auf die Hygienischen Umstände im Blutspendezentrum eingehen. Aber sie hat also eine frische Nadel im teuflischen Pieks-Gerät verwendet. Überlebt, das wars. Jetzt müssen die Papiere noch abgegeben werden und bezahlt werden. Dummerweise stehen wieder etwa 100 Leute vor dem Bezahlschalter (So Traubenförmig, Schlangenstehen gehört nicht so zur Kambodschanischen Kultur). Als wir erblickt wurden, wurden wir wieder nach Vorne beordert (Sorry…).

Fotos wurden nachgeliefert und unser Gesundheitszertifikat wurde auch geliefert. Meine Mutter heisst jetzt Amima und mein Gewicht ist 50 Kg. Hauptsache gesund. Bis in einem Jahr.

Alltag in Kambodscha und seine Fazetten

Donnerstag, Januar 26th, 2012

Was unterscheidet sich von meinem Alltag hier in Kambodscha von meinem Alltag in der Schweiz? Mal abgesehen vom Wetter?
Das erste Jahr in Kambodscha war ein wenig ausserordentlich. Ich habe an vielen verschiedenen Orten gearbeitet und hatte viele Aufgaben. Root IT, Englisch unterrichten, Khmer lernen, im Büro aushelfen, etc. Doch seit ich bei Web Essentials bin sieht es ein wenig anders aus. Mein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr am morgen. Meine Pünktlichkeit lässt zu wünschen übrig. Das hat nicht nur mit mir zu tun, sondern auch mit dem massiven Verkehr. Web Essentials ist am einen Ende der Stadt, ich wohne am anderen Ende der Stadt. Noch vor einem Jahr brauchte ich für diese Distanz etwa 15 Minuten mit meinem Motorrad. Mittlerweile hat sich die Verkehrssituation derart verändert, dass ich 30 oder mehr Minuten brauche. Es gibt viel mehr Autos und die Anzahl Strassenampeln hat sich verdoppelt binnen nur eines Jahres. Eine negative Folge davon ist, dass ich Asthma diagnostiziert bekommen habe. Dinge wie Vergaser oder den Motor abstellen kennt man hier in Kambodscha nicht. Oder kaum.
Wir arbeiten eine 5 Tageswoche, 40 Stunden. Meine Anstellung ist 80%, damit ich an 2 Morgen Khmerunterricht nehmen kann. Dennoch läuft es darauf heraus, dass ich meine freien Morgen meistens im Büro verbringe.
Mein Arbeitstag ist intensiv. Kunden Gespräche, Emails beantworten, Verträge schreiben, Konzepte schreiben, Arbeitsaufwände schätzen, Interne Sitzungen, Mitarbeitergespräche, Kundenkontakte mit der Schweiz, etc. Immer wieder wird es sehr spannend wenn es um einen Vertragsabschluss geht. Es ist ein schönes Gefühl, einen Vertrag unter Dach und Fach zu kriegen.
Die grösste Schwierigkeit die wir hier haben ist, dass wir ein hochqualitäts Produkt verkaufen. Webseiten auf TYPO3 mit Maintenance Service und regelmässigen Schulungen. Die Konkurenz ist gross. Vor allem kleinere inhouse firmen verkaufen ihre Webseiten für sehr kleine Preise. Die Herausforderung besteht darin unsere potentiellen Kunden wegen Kosten und Wert der Kosten zu überzeugen.
Da viele unserer Kunden aus Europa kommen bedeutet das auch, dass ich von Zeit zu Zeit einen Abend im Büro verbringe. Auf Grund der Zeitverschiebung.

Ich verlasse das Büro meist erst wenn es dunkel ist. Nach dem Arbeiten gehe ich Khmer Boxen. Das tut gut und hält fit. Seit neuestem hat Phnom Penh auch ein Kino. Oder ich treffe mich mit freunden oder in unserem Schweizer Hauskreis. Aber da die Möglichkeiten in Phnom Penh sehr begrenzt sind verbringen wir auch viele Abende zu Hause, kochen oder schauen einen Film oder beides.

Am Sonntag gehen wir in die internationale Kirche. Mittlerweile spiele ich fast jeden Sonntag Schlagzeug. Nach dem Gottesdienst verbringen wir normalerweise Zeit mit unseren Freunden und gehen für gewöhnlich zusammen Mittagessen.

Und alles andere aufregende was um mich herum passiert versuche ich natürlich im Blog fest zu halten ;)