Mit verschiedenen Werten zusammenarbeiten

Written by chris on November 28th, 2014

Die letzten Tage und Woche dürfen wir im Geschäft an Persönlichkeitstrainings teilnehmen. Unter anderem besprechen wir unsere Werte. Das ist speziell interessant, weil Web Essentials eine kambodschanische Firma ist, die von Schweizern gegründet worden ist. Zudem haben wir 3 Amerikaner, 2 Deutsche und 1 Nigerianer dabei. Unsere Kunden sind aus der Schweiz, Deutschland, Kambodscha, USA und anderen Ländern. Kein Problem? Viele Probleme. Aber diese Probleme können reduziert werden, wenn wir uns mit der Herkunft und den Werten unserer Kunden und Mitarbeiter auseinandersetzen.

Ich schreibe von meiner Schweizer Perspektive, von dem her kann es natürlich vorkommen, dass ich leichte Vorurteile habe, aber ich versuche mein bestens, schweizerisch neutral zu sein.

Hier einige interessante Resultate unseres Workshops. Zur Verdeutlichung, dies sind keine Facts die bewiesen sind, sondern eine Zusammenfassung, die aus unseren Diskussionen resultieren.

  • In Kambodscha geht es um Respekt. Jeder der in einer höheren Position ist verdient Respekt. Ältere Menschen, Leute mit höherem Status, in Authoritätspositionen, besser ausgebildete Leute, reiche Menschen, einflussreiche Menschen, etc. Unabhängig davon, wie der betroffene zu dieser Position gekommen ist. In Nigeria ist das nicht viel anders. Es gibt einfach Menschen die mehr Respekt verdienen wie andere. In den USA hingegen wird man mehr respektiert, wenn man für seine Position hart gearbeitet hat. In der Schweiz setzen wir mehr Wert auf Gleichheit. Eine reiche Person ist nicht sofort eine bessere Person. Es ist wichtiger, dass wir anständig zueinander sind. Es geht hierbei mehr um die Beziehung zwischen zwei Personen. Kennt man sich gut, duzt man sich, ansonsten bleibt es formell. Vor allem, wenn das Gegenüber älter ist.
  • Reichtum und Macht sind nicht Dinge die in der Schweiz an die grosse Glocke gehängt werden. Jemand, der mit seinem Reichtum prahlt macht sich eher lächerlich. Schlimmer sogar falls der betroffene seinen Reichtum nicht selber verdient hat, sondern in den Schoss gelegt bekommen hat. In Kambodscha und Nigeria, reichen Menschen zollt man Respekt, egal woher das Geld kommt.
  • Amerikaner schätzen Individualismus. Der amerikanische Traum, You can do it. Jeder verdient seine Freiheit und eine Chance. Und Erfolg kann durch harte Arbeit erreicht werden. In Kambodscha, das kollektive denken ist wichtiger. Der Name der Familie ist zu schützen. Und wenn jemand individuelle Ziele verfolgt, könnte das sich negativ auf den Familiennamen auswirken.
  • Schweizer schätzen, oder sogar fordern Transparenz. Schweizerische demokratische Rechte erlauben dem Schweizer den Anspruch zu haben, alles zu verstehen und alles zu wissen. Was passiert mit meinen Steuern? Wie kommt dieser Mensch an diesen Job? Und wenn etwas geheim gehalten wird und das ans Tageslicht kommt, dann ist die Hölle los. In Kambodscha, viele dieser Dinge werden nicht als die Sache des normalen Volks betrachtet. Entscheidungen werden von Einflussreichen Menschen gemacht und das ist einfach so. Die Regierung implementiert ein neues Gesetz, dann ist das so. Und der Chef macht eine wichtige Entscheidung, dann ist das so.
  • Religion ist ein wichtiger Wert in Nigeria. Viele Nigerianer sind Christen. Wenn sich zwei Nigerianer kennenlernen, dann fragt man sehr früh in welche Kirche der Andere denn geht. In Kambodscha ist die Religion auch zentral. Aber mehr unter einem kollektiven Licht. Man verfolgt Traditionen und Zeremonien, weil man das so macht und weil man den Ruf verlieren könnte, falls man es nicht macht. Es hat auch viel mit Respekt zu tun. Respekt gegenüber den Göttern, den Geistern, den Vorfahren und der Tradition. In der Schweiz oder Deutschland, Religion ist eine persönliche Entscheidung.
  • Anstand ist wichtig in jedem Land. Aber das kann ganz unterschiedlich aussehen. Einige Faustregeln in Kambodscha: Keine Schuhe in einem Haus (Auch bei Web Essentials werden die Schuhe am Eingang ausgezogen), der Hut muss abgenommen werden, vor allem wenn ältere Menschen in der Nähe sind und man grüsst den Anderen seinem Status entsprechend. In der Schweiz, man schaut dem Gegenüber in die Augen, wenn man miteinander spricht. In den USA stellt man sicher, dass der Gesprächspartner volle Aufmerksamkeit erhält, auch wenn man die Aufmerksamkeit nur vorgibt.
  • Wir haben auch gelernt, dass Neuseeländer sich mit dem Vornamen ansprechen, mit jeglicher Person die hand schütteln und auch mit dem Ministerpräsidenten einen kurzen Schwatz abhalten. Vermutlich liegt es daran, dass es nicht so viele Neuseeländer gibt. Amerikaner mögens auch informell, man spricht Personen oft mit dem Vornamen an, dennoch gibt es ein gewisses Level von unberührbaren Personen, wo man lieber Abstand hält, ausser man ist eingeladen um mit dieser Person zu sprechen. Die Schweiz ist insofern formell, dass man Autoritätspersonen oder nicht vertraute Personen mit dem Familennamen anspricht, es sei denn, man einigt sich, “Duzis” zu machen, also man spricht sich mit Vornamen an. In Kambodscha geht das weiter. Körperdistanz spielt eine grosse Rolle und die Art und Weise, wie man eine Person anspricht hängt von der Rolle des Gegenübers ab. Ist die Person älter, jünger, reicher, hat Autorität, ist geistlich oder sogar Königlich, spielt alles mit. Je höher der Status des Gegenübers, desto höher müssen die Hände vor dem Gesicht gefaltet werden beim Grüssen. Es gibt fünf Stufen. Die unterste Stufe ist für ein jüngeres Gegenüber (Hände auf Brusthöhe) und das höchste ist für den König reserviert (Hände weit über dem Kopf).
Die Fünf Gruss Formen
Beleuchten wir mal, welche Fragen wir uns gegenseitig stellen, wenn wir uns kennen lernen.
  • In Nigeria: Von welchem Stamm kommt deine Familie her? Welche Kirche besuchst du und wo hast du studiert?
  • In Kambodscha: Hast du schon gegessen? Woher kommst du gerade?
  • In der USA: Von welchem Staat kommst du? Was hast du studiert und wo hast du studiert?
  • In der Schweiz: Was und wo arbeitest du und wie ist das Wetter?
  • In Deutschland: Hast du mal nen Euro? (Achtung: Witz)
Diese Fragen sagen viel aus über unsere Werte. Sie definieren sehr klar, was uns am wichtigsten ist.
Aber was sollen wir jetzt mit alle dem tun? Auf der einen Seite erkennen wir, dass wir einfach verschieden sind. Und das hängt mit unserem Erbe, unserer Kultur und unserer Familie zusammen. Wir können diesen Unterschieden mehr Beachtung schenken und wir können uns mit diesen Unterschieden auseinandersetzen. Viele dieser Unterschiede sind nicht Dinge, die wir uns aussuchen, aber die wir mit auf den Weg bekommen haben. Wenn wir diese Werten mehr Aufmerksamkeit geben können wir viele Konflikte vermeiden oder verstehen. Und das ist speziell wichtig in einem multikulturellen Geschäft. Mit diesem Wissen können wir vorsichtiger sein in unserem Umgang mit unseren Mitarbeitern und unseren Kunden von anderen Ländern.
Ich glaube je länger wir zusammen arbeiten, desto mehr lernen wir voneinander. Aber wenn wir lange zusammen sind haben wir auch die Tendenz zu vergessen, dass wir eigentlich wirklich verschieden sind. Ich habe von meinem Lehrer Sothea 4 Jahre lang über Kambodschanische Werte gelernt. Und bei unserem Workshop habe ich realisiert, dass es dennoch vieles gibt, worüber ich noch keine Ahnung habe. Ich glaube wir müssen uns entscheiden uns zu interessieren und offen zu sein immer wieder neues zu lernen, wenn wir erfolgreich zusammen sein und zusammen arbeiten wollen.
Alles was ich lerne über die verschiedenen Kulturen erachte ich als äußerst Wertvoll und freue mich, mehr zu lernen.
 

1 Comments so far ↓

  1. Hey! Read your post via Google Translate, very interesting stuff! You’re so lucky to work with these great peoples!

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