Kambodschas Werdegang aus meiner Perspektive

Written by chris on Juni 13th, 2014

Bald macht in Phnom Penh der erste Rolce Royce Showroom seine Türen auf. Eigendlich kaum überraschend, nachdem in den letzten zwei Jahren Mercedes, Porsche, Audi, BMW etc ihre Verkaufsgeschäfte kräftig ausgebaut haben. Man mags ihnen nicht vergönnen, denn Geschäfte gehen dorthin, wo es Kundschaft hat. Und es hat hier tatsächlich Kundschaft en Masse. Ich erlebe hier in Phnom Penh eine unglaubliche Dichte an Luxus Autos. Die Lexus habe ich schon mehrfach erwähnt. Mittlerweile wurden sie vom RangeRover überholt worden. Ein RangeRover kostet auf dem 2nd hand Markt etwa 100’000 USD. Ich frage mich wo dieses Geld, diese ungeheuren Massen von Cash herkommen. Denn die Zahl der Abfallsammelnden auf der Strasse hat nicht abgenommen. Die Zahl der unterbezahlten Fabrikarbeiter auch nicht. Die Zahl der Bauern auf dem Land, die ums Überleben kämpfen wohl oder übel auch nicht. Und dennoch, hier in Phnom Penh wächst ein nie dagewesener Wohlstand. Zur Zeit sind 3 riesen Shoppingmalls im Aufbau. Leute freuen sich auf Louis Vitton und Calvin Klein Läden. Also scheinbar tut sich was. Es stimmt. Es finded eine kleine Veränderung statt. Nicht überraschend ist, dass die reichen immer reicher werden. Aber das passiert in vielen anderen Ländern auch. Vermutlich sind es die oberen 3-5%, die von einer einfachen Mittelschicht in eine gehobene Mittelschicht sich bewegen. Zumindest hoch genug, dass sie sich ein Luxusauto leasen können oder dass die Bank ihnen einen Kredit gewährt um ein grosses Haus zu bauen. Und grundsätzlich sollte man das ihnen auch gönnen. Wäre da nicht der ganze rest, die 90 – 95% die gar nichts vom ganzen mitkriegen, die von dieser Welle von Entwicklung kaum getragen werden.
Und was ist mit all diesen Organisationen? UN, UNICEF, Worldvision und die 3000 anderen. Kambodscha hat die höchste Dichte an Nichtregierungsorganisationen der ganzen Welt. Viele dieser Organisationen machen grossartige arbeit. Andere nicht, aber es ist nicht meine Aufgabe, das zu beurteilen. Die Organisationen bauen Spitäler in Orten wo es keine Spitäler gibt, sie bauen Schulen, sie unterrichten, sie reinigen Wasser, bewässern Felder so dass Bauern 2 Mal im Jahr säen können, sie bauen Strassen, sie bauen Skateparks, sie retten Kinder aus der Sklaverei, Frauen aus der Prostitution, sie räumen riesige Gebiete von Landminen, die vom Bürgerkrieg übrig sind und noch unzähliges mehr. Zusammengefasst, die Nichtregierungsorganisationen machen das was die hiesige Regierung machen sollte, aber dazu entweder nicht fähig ist oder die Regierung sich nicht darum kümmert weil das Geld andersweit investiert wird. Ist es nicht die Aufgabe der Regierung sicher zu stellen, dass Schulen und Spitäler zur Verfügung stehen? Dass jede Person im Land Zugang zu Trinkwasser hat? Dass eine Latrine nicht ein Luxusprodukt ist?
Viele der Organisationen haben gute Absichten, eine gute Vision. Mit der Umsetzung hapert es manchmal. So stellt es sich heraus, dass lokale Wasserfilteranbieter Probleme haben ihre Produkte zu verkaufen, weil die Landbevölkerung einfach auf die Nächste Organisation wartet, die gratis Filter vorbei bringt. Dem entsprechend wird auch mit den Materialien umgegangen. Was nichts kostet ist nichts Wert. Es gibt studien die aufzeigen wie gratis Latrinen nach wenigen Monaten schon zerstört sind, während latrinen für welche bezahlt wurden, viel länger im Stande gehalten wurde. Fazit: Gratis Produkte sind nicht längerfristig tragbar sondern sie blockieren die Wirtschaft.
Aber um zurück zu meinem eigentlichen Anliegen zu kommen… Was wird gemacht um diese Wohlstandsschere zu schliessen? Oder was kann gemacht werden? Die einzige Antwort ist Ausbildung. Ausbildung führt zu Wissen und Verstand. Wer weiss wie etwas funktioniert lehrt es zu schätzen. Wer versteht, dass seine Umwelt unter unserem Verhalten leidet, der fängt hoffendlich an nachzudenken während eine ungebildete Person nicht weiss was die Umwelt ist und damit beschäftigt ist, etwas zu essen für Morgen zu finden. Aber es gibt noch viele Gründe mehr für Ausbildung. Und um eines klarzustellen, ich spreche nicht von Akademischem Hochschulabschluss, aber ich spreche von Grundausbildung und Berufsbildung. Ich hege die leise Hoffnung, dass wenn eine besser ausgebildete Generation heranwächst, auch diese Leute in der Regierung und Administration was ändern können. Und ja ich bin mir bewusst, dass Kim Jong Il in der Schweiz ausgebildet worden ist und nichts gelernt hat.
Ausbildung gibt den Menschen Selbstständigkeit. Selbstständigkeit bringt selbstvertrauen. Selbstvertrauen bringt Erfolgserlebnisse. Und je mehr selbstständige Menschen wir in Kambodscha haben, desto weniger sind Organisationen nötig, die das Wissen ins Land importieren.
Ich darf hier die erste Generation von Kambodschanern beobachten, die so langsam aber sicher mit dem richtigen Wissen ausgestattet werden um das Land vorwärts zu bringen. Viele von ihnen sind späteinsteiger. Und die nächste Generation wird schon viel besser vorbereitet sein. Aber bis dorthin geht es noch eine Weile. Dieses Wissen offenbart eine wunderschöne Seite unserer Arbeit hier in Kambodscha. Anderseits, das fehlende wissen macht die Arbeit auch unerträglich. Ich habe das Gefühl, dass diese Gefühlschwankungen sehr anstrengend sind.
Ich wünsche mir, dass diese Generation, die ich hier aufwachsen sehe mehr als eine Generation aufwächst die weiss was sie haben, die weiss wie man mit der Natur umzugehen hat, die weiss wie man mit Menschen umzugehen hat, die weiss wie man mit Wohlstand und Armut umzugehen hat. Und bis es soweit ist versuche ich mich ab den kleinen Schritten zu freuen.
Ein kleines Beispiel: Meine Mitarbeiterin Leak stört sich extrem an den grossen Mengen Abfall, die überall herumliegen. Littering ist hier Volkssport. Die wenigsten störts. Leak störts. Und sie will was dagegen tun. Und ich bin mir sicher dass sie was dagegen tun wird. Und darauf freue ich mich.
Oder, meine Verkehrsinitiative auf Facebook habe ich einem Kambodschaner übergeben. Er hat Drähte direkt in die Regierung und will Veränderung bringen. Ich finde das supert.
Ich denke die Zeiten gehen vorbei wo der weisse Mann kommt und sagt wie Dinge getan werden müssen. Ich denke die Kambodschaner haben genug von dem gehört. Ich hoffe dass je länger je mehr sich die Kambodschaner selber vorwärts bringen.

 

1 Comments so far ↓

  1. Hans Bub sagt:

    Hallo, nun sehe ich Kambotscha in einer anderen Sicht.
    Warum leben Sie dort?
    Gruss aus der Schweiz
    Hans Bub

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