Valentinstag in Kambodscha. Love is in the air! Oder auch nicht.

Written by chris on Februar 15th, 2012

Ja tatsächlich hat der Valentinstag hier in Kambodscha, oder zumindest in Phnom Penh einen riesigen Stellenwert. Bon Sang-Sa (Schatzeli-Fest) oder Bon Ney Kdey Srolang (Fest der Liebe) wird der 14. Februar hier genannt. Ein riesiges Marketingspektakel zeichnet sich schon mehrere Wochen vor dem 14. Februar ab. Besonders beliebt sind riesige Stofftiere, Hello Kitty Accessoires und eigentlich alles was pink und rosarot ist.
Doch es liegen Sorgen in der Luft. Vor einiger Zeit habe ich in einem Beitrag über Beziehungen hierzulande erzählt: http://chrisincambodja.ch/2010/09/love-message/
Die Verwaltung und Eltern machen sich sorgen am Valentinstag. Teenager bleiben von der Schule Fern weil die Schüler mit ihren Honeys lieber in Shopping Malls gehen für einen Romantischen Tag (Shopping Malls sind das non plus Ultra hier). Und Singles gehen nicht zur Schule, weil ja sowiso niemand dort ist.
Schwieriger wird es wenn es um die Erwartungshaltungen von jungen Herren an ihre Honeys geht. Viele freuen sich auf ihr erstes Mal an diesem magischen Tag. Ob das ein Problem ist, ist eigentlich Ansichtssache, aber hier in Kambodscha ist es deutlich gegen die Traditionellen Vorstellungen, wenn er und sie eine sexuelle Beziehung haben vor der Ehe. Doch die Gästehäuser spüren die Möglichkeit und bieten Ihre Räume zu besonders günstigen Stundentarifen an. Ich lernte, dass am Valentinstag reihenweise Mädchen ihre Unschuld verlieren. Minderjährig, vor der Ehe. Mädchen versuchen sich noch stärker an die Traditionen zu halten. Schlussendlich haben sie auch mehr zu verlieren. Aber viele Jungs machen Druck und stellen ihre Mädchen vor der Wahl. Sex oder Trennung.
Dieses Jahr hat die Regierung präventive Massnahmen vorgenommen. Gästehäuser wurden angehalten, Teenager auf Ihre Volljährigkeit zu prüfen und wurden darauf vorbereitet, dass es zu Razzien kommen wird. Blumenstände rund um Schulen wurden verboten. Schüler die in der Nacht noch herumgeschlichen sind wurden von der Polizei nach Hause gseschickt. Schüler tragen Uniformen und sind von dem her erkennbar.
Sogar der Ministerpräsident hat seine Bedenken wegen dem Bon Sang Sa ausgedrückt.
Und Schulen haben Prüfungen für den 14. Februar angesagt, um die Schüler davon abzuhalten an diesem Tag fern zu bleiben.
Scheinbar haben die Vorkehrungen Wirkung gezeigt. Aber dennoch war Phnom Penh gestern im Ausnahmezustand. Und ich will das nicht nur als negativ bezeichnen. Die Strassen waren voll mit Autos, die Restaurants voll mit Besuchern. Fast jeder hatte etwas zu feiern gestern. Blumenverkäufer verkauften ihre Rosen für einen Dollar (normalerweise für 0.25$ zu haben). Love was in the air.
Junge Kambodschaner dürfen ihre Partner normalerweise selbst aussuchen (es gibt Familien, die arrangieren die Ehen ihrer Kinder) Aber im grossen und ganzen ist das Land noch sehr konservativ. Ganz im Kontrast zum Valentinstag. Einerseits ist es schön, das Land in einem derart ausgelassenen Zustand zu sehen, anderseits ist es schwierig zu beobachten, wie sich junge Leute blind einem Marketing Gag (Für mich ist der Valentinstag nichts anderes als Marketing) hingeben und dabei Entscheidungen treffen, die ihr Leben grundsätzlich verändern können. Wie gesagt können die Konsequenzen speziell für Frauen gnadenlos sein.
Love is in the air, oder auch nicht. Wie auch immer, ich habe mich dazu entschieden den Valentinstag auf die restlichen 364 Tage im Jahr zu verschieben :)

Hier ein interessanter Bericht: http://www.phnompenhpost.com/index.php/2012021454496/National-news/a-vigilant-valentines.html

 

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