Love Message

Written by chris on September 20th, 2010

Einer meiner Lieblingssongs aus der Techno Allstars in den 90ern. DJ Bobo, La Bouche, Scooter etc haben mitgewirkt. Das waren noch Zeiten. Aber um das geht es eigentlich gar nicht. Denn die Khmer Jugend hat mit Elektronischer Musik nichts bis gar nichts am Hut. Von dem her findet meine Leidenschaft zwischen mir und meinem IPod statt. Mein IPod war soeben in einer Kur. Die ersten Regenstürme hat er überstanden, doch bei der letzten Wässerung hat er nicht mehr mitgehalten. Doch jetzt ist er wieder an meiner Seite wie seit eh und je. Aber auch um das geht es nicht. Ich merke gerade, dass ich noch stundenlang um den heissen Brei herum reden könnte. Doch wollen wir uns doch der Message ein wenig nähern.
Das Jahr 2010, mitten in der Kambodschanischen Love Revolution. Was bei uns vor 40 Jahren passierte ist im Moment hier voll im Gange. Kambodscha ist eine weit zurückreichende Kultur, basiert auf vielen Traditionen und Werten. Diese Werte definieren das Leben eines jeden Khmers. Sei es im gegenseitigen Umgang, Familienverhältnisse, Familienentstehungen, Arbeitsverhältnisse, etc. Der Respekt vor dem Alter ist gross. Je älter eine Person ist, desto mehr Hochachtung wird dieser Person geschenkt. Es gilt auch viel Respekt den reichen und mächtigen. Die Kambodschaner hinterfragen die Ihrigen Authoritätsfiguren nur ungern.
Die kambodschanische Kultur lässt es nicht zu, dass sich Mann und Frau privat treffen. Liebe entsteht in der Gruppe. Man trifft sich in der Gruppe und versucht sich in der Gruppe näher zu kommen. Oder am Telefon, heute natürlich auch übers Internet. Der Zustand „Freund/Freundin“ gibt es fast nicht. Das heisst, wird es wirklich ernster zwischen Mann und Frau, so wird die Verlobung ausgeläutet. Dies geschieht jedoch nur mit der Zustimmung der Familien auf beiden Seiten. In der Verlobungszeit dürfen sich die verliebten treffen. Aber nur in Begleitung einer Schwester oder eines Bruders. Ein tête a tête wird erst nach der Hochzeit möglich sein.
Jedoch lösen sich diese Stricke allmählich. Vor allem hier in Phnom Penh emanzipieren sich die Jugendlichen mehr und mehr. In den Parks zeigen sich vermehrt junge Päärchen. Der Ort Nummer 1 um sich näher zu kommen ist das Motorrad. Der Zustand einer Freund/Freundin Beziehung (Sang Sa auf Khmer) ist nicht mehr nur ein Tabu Thema. 68er Jahre in Kambodscha. Liebe wird sichtbar. Zärtlichkeit wird weniger versteckt. Am Abend im Park knistert es in der Luft.
Ich erlaube mir jetzt die Arroganz dass der werte Leser sicher meine Meinung zu dieser Entwicklung lesen würde. Nun ja diese ist gespalten. Von meinem Hintergrund her gesehen, bin ich damit aufgewachsen, dass Liebe nicht versteckt werden musste. Von dem her bewegt sich die Jugendkultur hier in ein Gebiet, das mir von zu Hause aus bekannt vorkommt. Aber es stellt sich einfach die Frage: Geht das wirklich so einfach in einem Land wie Kambodscha? Ein Land, das derart von Werten und Traditionen geprägt ist, ein Land in dem Menschen von diesen Werten abhängig sind wenn sie überleben möchten?
Problematisch wird es, wenn diese Verhältnisse Konsequenzen mit sich bringen. Zum Beispiel eine ungewollte Schwangerschaft. Sittenwächter sind in diesem Land nicht aktiv. Aber ein uneheliches Kind bedeutet das Aus für den Ruf der Mutter. Sie wird an den Rand der Gesellschaft gestossen. Mit ihr das Kind.
Ich frage mich manchmal, ob unser freizügiges System zu Hause wirklich nur von Vorteil ist. Ob unsere Freiheiten denn nur Gesund sind. Strukturen engen ein, das ist richtig, aber sie bringen auch Sicherheit und Schutz. Und speziell in einem Land indem genügend Geld nicht eine Selbstverständlichkeit ist, ist dieser Schutz nützlich. Denn viele Beziehungsprobleme, mit denen wir uns zu Hause herumschlagen kennen die Leute hier gar nicht.
Ich kann hier meine Gedanken nur oberflächlich ankratzen. Es ist spannend zu beobachten, wie sich die jüngere Generation verhaltet. Aber ich finde es auch frustrieren, wenn ich sehe, wie sich diese Jungs und Mädels in ein Verhaltensmuster bewegen, welches sie sich gar nicht leisten können und welches auch total der Ihrigen Kultur widerspricht.
Ich fände es spannend eure Meinung zu diesem Thema zu hören. Hinterlasse doch deine Gedanken als Kommentar.

 

1 Comments so far ↓

  1. Dominik sagt:

    Sittenwechsel finde ich prinzipiell nicht schlecht, doch sollte damit auch ein Bewusstseinswandel stattfinden. Die jungen Lovers sollten einiges mehr über Liebe(-machen) und die Folgen wissen. Das ist bei uns ja auch so, doch gibt es hierzulande x Anlaufstellen für unkomplizierte und diskrete Beratung. So was würde ich mir für Länder des Südens auch wünschen. Vielleicht streust du dort die eine oder andere Weisheit ;)?
    Auf jeden Fall war es für mich rührend zu sehen, wie härzig in Phnom Penh gedated wird, eben in Parks und auf Motorräder. Am lustigsten fand ich das Wasserfest im April. Die Gesellschaftsspiele (ähnlich wie Fangis, einfach etwas weiterentwickelt) war für viele total aufregend, weil: “it is the only time when we can touch the other!”, und dann ist es auch offiziell erlaubt. Solch spannende Events gibt es bei uns wohl nur noch während einem Primarschulfez.