Kambodscha – Meine Erlebnisse, mein Leben und meine Arbeit

Kambodscha, ein spannendes und anderes Land. Ich versuche euch regelmässig über das Leben und die Entwicklungsarbeit in Kambodscha auf dem Laufenden zu halten. Was bedeutet Entwicklungsarbeit in Kambodscha? Was heisst es in Kambodscha zu leben? Was passiert in meiner Zeit hier? Falls du über etwas gerne mehr wissen möchtest, so lass es mich bitte wissen.

Mit verschiedenen Werten zusammenarbeiten

Written by chris on November 28th, 2014

Die letzten Tage und Woche dürfen wir im Geschäft an Persönlichkeitstrainings teilnehmen. Unter anderem besprechen wir unsere Werte. Das ist speziell interessant, weil Web Essentials eine kambodschanische Firma ist, die von Schweizern gegründet worden ist. Zudem haben wir 3 Amerikaner, 2 Deutsche und 1 Nigerianer dabei. Unsere Kunden sind aus der Schweiz, Deutschland, Kambodscha, USA und anderen Ländern. Kein Problem? Viele Probleme. Aber diese Probleme können reduziert werden, wenn wir uns mit der Herkunft und den Werten unserer Kunden und Mitarbeiter auseinandersetzen.

Ich schreibe von meiner Schweizer Perspektive, von dem her kann es natürlich vorkommen, dass ich leichte Vorurteile habe, aber ich versuche mein bestens, schweizerisch neutral zu sein.

Hier einige interessante Resultate unseres Workshops. Zur Verdeutlichung, dies sind keine Facts die bewiesen sind, sondern eine Zusammenfassung, die aus unseren Diskussionen resultieren.

  • In Kambodscha geht es um Respekt. Jeder der in einer höheren Position ist verdient Respekt. Ältere Menschen, Leute mit höherem Status, in Authoritätspositionen, besser ausgebildete Leute, reiche Menschen, einflussreiche Menschen, etc. Unabhängig davon, wie der betroffene zu dieser Position gekommen ist. In Nigeria ist das nicht viel anders. Es gibt einfach Menschen die mehr Respekt verdienen wie andere. In den USA hingegen wird man mehr respektiert, wenn man für seine Position hart gearbeitet hat. In der Schweiz setzen wir mehr Wert auf Gleichheit. Eine reiche Person ist nicht sofort eine bessere Person. Es ist wichtiger, dass wir anständig zueinander sind. Es geht hierbei mehr um die Beziehung zwischen zwei Personen. Kennt man sich gut, duzt man sich, ansonsten bleibt es formell. Vor allem, wenn das Gegenüber älter ist.
  • Reichtum und Macht sind nicht Dinge die in der Schweiz an die grosse Glocke gehängt werden. Jemand, der mit seinem Reichtum prahlt macht sich eher lächerlich. Schlimmer sogar falls der betroffene seinen Reichtum nicht selber verdient hat, sondern in den Schoss gelegt bekommen hat. In Kambodscha und Nigeria, reichen Menschen zollt man Respekt, egal woher das Geld kommt.
  • Amerikaner schätzen Individualismus. Der amerikanische Traum, You can do it. Jeder verdient seine Freiheit und eine Chance. Und Erfolg kann durch harte Arbeit erreicht werden. In Kambodscha, das kollektive denken ist wichtiger. Der Name der Familie ist zu schützen. Und wenn jemand individuelle Ziele verfolgt, könnte das sich negativ auf den Familiennamen auswirken.
  • Schweizer schätzen, oder sogar fordern Transparenz. Schweizerische demokratische Rechte erlauben dem Schweizer den Anspruch zu haben, alles zu verstehen und alles zu wissen. Was passiert mit meinen Steuern? Wie kommt dieser Mensch an diesen Job? Und wenn etwas geheim gehalten wird und das ans Tageslicht kommt, dann ist die Hölle los. In Kambodscha, viele dieser Dinge werden nicht als die Sache des normalen Volks betrachtet. Entscheidungen werden von Einflussreichen Menschen gemacht und das ist einfach so. Die Regierung implementiert ein neues Gesetz, dann ist das so. Und der Chef macht eine wichtige Entscheidung, dann ist das so.
  • Religion ist ein wichtiger Wert in Nigeria. Viele Nigerianer sind Christen. Wenn sich zwei Nigerianer kennenlernen, dann fragt man sehr früh in welche Kirche der Andere denn geht. In Kambodscha ist die Religion auch zentral. Aber mehr unter einem kollektiven Licht. Man verfolgt Traditionen und Zeremonien, weil man das so macht und weil man den Ruf verlieren könnte, falls man es nicht macht. Es hat auch viel mit Respekt zu tun. Respekt gegenüber den Göttern, den Geistern, den Vorfahren und der Tradition. In der Schweiz oder Deutschland, Religion ist eine persönliche Entscheidung.
  • Anstand ist wichtig in jedem Land. Aber das kann ganz unterschiedlich aussehen. Einige Faustregeln in Kambodscha: Keine Schuhe in einem Haus (Auch bei Web Essentials werden die Schuhe am Eingang ausgezogen), der Hut muss abgenommen werden, vor allem wenn ältere Menschen in der Nähe sind und man grüsst den Anderen seinem Status entsprechend. In der Schweiz, man schaut dem Gegenüber in die Augen, wenn man miteinander spricht. In den USA stellt man sicher, dass der Gesprächspartner volle Aufmerksamkeit erhält, auch wenn man die Aufmerksamkeit nur vorgibt.
  • Wir haben auch gelernt, dass Neuseeländer sich mit dem Vornamen ansprechen, mit jeglicher Person die hand schütteln und auch mit dem Ministerpräsidenten einen kurzen Schwatz abhalten. Vermutlich liegt es daran, dass es nicht so viele Neuseeländer gibt. Amerikaner mögens auch informell, man spricht Personen oft mit dem Vornamen an, dennoch gibt es ein gewisses Level von unberührbaren Personen, wo man lieber Abstand hält, ausser man ist eingeladen um mit dieser Person zu sprechen. Die Schweiz ist insofern formell, dass man Autoritätspersonen oder nicht vertraute Personen mit dem Familennamen anspricht, es sei denn, man einigt sich, “Duzis” zu machen, also man spricht sich mit Vornamen an. In Kambodscha geht das weiter. Körperdistanz spielt eine grosse Rolle und die Art und Weise, wie man eine Person anspricht hängt von der Rolle des Gegenübers ab. Ist die Person älter, jünger, reicher, hat Autorität, ist geistlich oder sogar Königlich, spielt alles mit. Je höher der Status des Gegenübers, desto höher müssen die Hände vor dem Gesicht gefaltet werden beim Grüssen. Es gibt fünf Stufen. Die unterste Stufe ist für ein jüngeres Gegenüber (Hände auf Brusthöhe) und das höchste ist für den König reserviert (Hände weit über dem Kopf).
Die Fünf Gruss Formen
Beleuchten wir mal, welche Fragen wir uns gegenseitig stellen, wenn wir uns kennen lernen.
  • In Nigeria: Von welchem Stamm kommt deine Familie her? Welche Kirche besuchst du und wo hast du studiert?
  • In Kambodscha: Hast du schon gegessen? Woher kommst du gerade?
  • In der USA: Von welchem Staat kommst du? Was hast du studiert und wo hast du studiert?
  • In der Schweiz: Was und wo arbeitest du und wie ist das Wetter?
  • In Deutschland: Hast du mal nen Euro? (Achtung: Witz)
Diese Fragen sagen viel aus über unsere Werte. Sie definieren sehr klar, was uns am wichtigsten ist.
Aber was sollen wir jetzt mit alle dem tun? Auf der einen Seite erkennen wir, dass wir einfach verschieden sind. Und das hängt mit unserem Erbe, unserer Kultur und unserer Familie zusammen. Wir können diesen Unterschieden mehr Beachtung schenken und wir können uns mit diesen Unterschieden auseinandersetzen. Viele dieser Unterschiede sind nicht Dinge, die wir uns aussuchen, aber die wir mit auf den Weg bekommen haben. Wenn wir diese Werten mehr Aufmerksamkeit geben können wir viele Konflikte vermeiden oder verstehen. Und das ist speziell wichtig in einem multikulturellen Geschäft. Mit diesem Wissen können wir vorsichtiger sein in unserem Umgang mit unseren Mitarbeitern und unseren Kunden von anderen Ländern.
Ich glaube je länger wir zusammen arbeiten, desto mehr lernen wir voneinander. Aber wenn wir lange zusammen sind haben wir auch die Tendenz zu vergessen, dass wir eigentlich wirklich verschieden sind. Ich habe von meinem Lehrer Sothea 4 Jahre lang über Kambodschanische Werte gelernt. Und bei unserem Workshop habe ich realisiert, dass es dennoch vieles gibt, worüber ich noch keine Ahnung habe. Ich glaube wir müssen uns entscheiden uns zu interessieren und offen zu sein immer wieder neues zu lernen, wenn wir erfolgreich zusammen sein und zusammen arbeiten wollen.
Alles was ich lerne über die verschiedenen Kulturen erachte ich als äußerst Wertvoll und freue mich, mehr zu lernen.
 

Wenn Arbeit Früchte trägt

Written by chris on November 22nd, 2014

Vor 4 Jahren und 10 Monaten bin ich in Kambodscha angekommen. Was ein einjähriges Projekt werden sollte wurde ein längeres Projekt. Viel länger als erwartet. Nicht alle freuen sich darüber, dass ich immernoch hier bin. Und ich denke genau diese Menschen, die mich gerne in der Schweiz hätten sind auch die Menschen, die mir hier am meisten fehlen.
Als ich letzten Monat in der Schweiz war, hatte ich nur limitiert Zeit. Aber dennoch hat es gerreicht, viele Leute zu treffen. Und es ist immerwieder umwerfend zu sehen, dass alle diese Leute noch dort sind, dass sie mich nicht vergessen haben, dass sie sich interessieren, dass sie mich sehen wollen. Einige nehmen sogar frei um einen Kaffee trinken zu gehen. Man kann sich gar nicht vorstellen, was das mir bedeutet.

Vor 4 Jahren war ich das erste mal bei Web Essentials. Ich durfte einen Rundgang machen. Und ich habe neidisch festgestellt, wie gut organisiert diese Firma ist. Als ich 2 Monate später angefangen habe, hätte ich mir niemals ausdenken können, was noch vor uns steht. Wir waren zu diesem Zeitpunkt gerade mal 8 Monate alt. Wir waren etwa 30 Mitarbeiter. Heute sind wir 50. Etwa 12 von denen noch von der alten Garde.
Wir waren ein Start up. Wir mussten unseren Weg finden. Dominik und Rebecca haben riesige vorarbeit geleistet. Sie haben der Firma einen Auftrag, eine Vision und einen Charakter gegeben. Jetzt mussten wir uns beweisen um auf diesem harten Markt ernst genommen zu werden.
Wir konnten uns einige Aufträge von Firmen, die im ganzen Land bekannt sind, sichern. Wir durften Projekte für Schweizer und Deutsche Firmen umsetzen. Wir haben gekämpft um genug Arbeitsvolumen herzukriegen um Löhne zu bezahlen, wir haben gebetet, dass genug Arbeit vorhanden wäre, damit die Rechnungen bezahlt werden können. Wir haben Mitarbeiter gewonnen und verloren. Und wir haben nie aufgehört zu wachsen.
Vor 2 Jahren bin ich mit Dominik an die TYPO3 Konferenz nach Stuttgart gegangen. Mit riesigem Respekt habe ich mich in die Gruppe von CEOs, TYPO3 Gurus, Geschäftsleuten, und Profis gesellt. Wir konnten noch nicht so viel vorweisen. Wir hatten viele tolle Projekte umgesetzt, aber viele dieser Projekte durften wir nicht als unsere Arbeit kommunizieren. Dennoch war es gut, bestehende Kunden, sowie mögliche Partner kennenzulernen und mit der TYPO3 Gemeinschaft in Verbindung zu stehen.
Dominik geht an jede Konferenz. Er ist im Expertengremium der Community. Das ist grossartig und gibt uns eine Stimme und Presänz.
Dieses Jahr durfte ich wieder mit. Dieses Mal unter anderen Vorraussetzungen. Wir konnten hochglanzprojekte vorweisen, die wir umgesetzt haben. Eine Kambodschanische Bank, eine Privatschule, Einen übersetzungspartner in der Schweiz, eine Beziehungsforschungsplatform in der USA… Verschiedene Technologien, verschiedene Designs, auf dem neuesten Stand der Technik.
Jahrelange harte Arbeit bezahlt sich aus. Wir werden als seriöse Firma wahrgenommen und stehen bei vielen Firmen in den Notitzbüchern. Wir dürfen an längerfristigen Projekten arbeiten mit Kunden, die auf lange Partnerschaften setzen. Mittlerweile können wir es uns sogar manchmal leisten einen Auftrag abzulehnen, wenn wir nicht sicher sind, ob die Verhältnisse wirklich wasserdicht sind. Unsere Mitarbeiter lassen sich zertifizieren in Europa. Vermutlich sind wir die einzige Web Firma in Kambodscha die das vorweisen kann. Meine Mitarbeiterin Leak entwickelt sich von der Verkaufsassistentin zu einer unseren wichtigsten Projektleiterinnen und arbeitet mit Europäischen Kunden an Projekten. Ein weiterer Web Entwickler trägt regelmässig zur Entwicklung des Systems bei. Und der Chef ist eine Tragende Figur in der TYPO3 Community.
Wir bewegen uns aus dem Start Up heraus und werden erwachsen. Zumindest sehe ich das so. Mein Arbeitsgebiet verändert sich so stark, wie sich die Firma verändert. Es gibt noch viele Probleme, die noch nicht behoben sind. Aber welches Unternehmen kämpft nicht mit diesen Problemen?
Im nächsten Jahr veranstalten wir die 2. TYPO3 Konferenz in Phnom Penh. Das wird ein weiteres Highlight in userer Firmengeschichte.
Ich bin glücklich, dass ich ein Teil einer solchen Geschichte sein darf. Web Essentials hat die Leben vieler Personen zum positiven verändert. Viele Menschen sind mit Web Essentials gewachsen und erwachsen geworden. Auch auf persönlicher ebene. Für mich hat sich dieses Investment gelohnt und ich freue mich weiter zu machen.

 

Besuch bei PNC

Written by chris on September 8th, 2014
Letzten Samstag war ich bein PNC eingeladen. PNC ist eine spezielle Universität, die IT, Stysteme und Web Entwicklung unterrichtet (http://www.passerellesnumeriques.org/cambodge/). Die Studenten sind unterprivilegierte Jugendliche aus der Provinz, die niemals die Möglichkeit hätten, etwas zu lernen. Wenn es mir recht ist, haben 2 Schüler pro Provinz und Jahr die Chance bei PNC zu lernen. PNC ist eine Französische Organisation und hat sich als so erfolgreich herausgestellt, dass sie jetzt auch Schulen in den Phillipinen und in Vietnam aufgebaut haben.
Web Essentials unterstützt PNC insofern, dass wir Praktikumsplätze für diese Schüler zur Verfügung stellen. Einige dieser Praktikanten bleiben bei uns. Ich glaube im Moment sind mindestens 5 unserer Staff ursprünglich von dieser Schule.
Jetzt muss man das sich aber so vorstellen. Diese Studenten haben vermutlich das 9. oder evt 12. Schuljahr in der Provinz abgeschlossen. Das heisst sie sind auf dem Wissensstand eines 5-klässlers in der Schweiz. Bei PNC kriegen sie eine 2 Jährige Ausbildung. Eine Informatikausbildung in der Schweiz geht 4 Jahre. Und man geht dort hin als 12 klässler oder schlauer 9 klässler. Dem entsprechend kann man einen Universitätsabgänger auch noch nicht als berufstauglich ansehen. Und gerade deswegen ist es wichtig, dass genau diese Studenten eine Möglichkeit kriegen, eine Brücke ins Berufsleben zu starten. PNC leistet grossartige Arbeit und wird von einigen wichtigen Firmen in Kambodscha unterstützt.
Am Samstag wurde ich eingeladen an einer Job Messe in dieser Schule als VIP aufzutreten. Also eigentlich nicht ich, aber ich habe eine Vertretung gemacht. Also bin ich mit meinem Motorrad an den Stadtrand gefahren und um 7 Ecken fand ich dann diese Schule in einer Staubigen Ecke. Normale Universitäten versuchen sich so prominent wie möglich zu plazieren. PNC investiert dieses Geld lieber in Ihren Unterricht.
Als ich angekommen bin wurde ich tatsächlich wie ein VIP behandelt und mit einem grossen VIP Namensschild in die VIP Lounge gebracht. Dort waren einige bekannte und unbekannte Gesichter aus der Privatindustrie. Unter anderem die Besitzerin des grössten PC Handels im Land. Wir wurden dann gebeten ins Auditorium zu treten. Ich vermute etwa 150 Studenten waren anwesend. Ich war der erste in der Reihe und im Moment als ich den Raum betreten habe stehen alle diese Schüler gleichzeitig auf. Ich glaube nicht, dass ich ein VIP bin… Auf der Bühne standen Stühle für uns bereit. Schön geschmückt, je mit einem Namensschild. Nach der Nationalhymne und Begrüssung durften die Studenten uns Fragen stellen. Meine Vorgänger haben sich nicht an die vorgegebenen 5 Minuten gehalten, deswegen hat es für keine Frage für mich gereicht. Aber das hat mich nicht so traurig gemacht. Und ich hatte die Möglichkeit die interessanten Geschichten von ein paar eindrücklichen Personen zu hören. Die Dame, die ich oben angesprochen habe, hat als Blumenverkäuferin angefangen. Sie hat irgendwann realisiert, dass sie einen Computer gebraucht. Mittlerweile ist sie die Besitzerin dieses Computervertriebs, eines Internet Anbieters und hat ein Appartmentgebäude, dass sie vermietet.
Ein anderer Herr hat es nie über die 5. Klasse geschafft, weil er seinen Eltern helfen musste. Jetzt ist er der Chef einer grossen IT Firma.
Ich war schwer beeindruckt zu sehen unter welchen Umständen sich diese Menschen nach Oben gearbeitet haben. Und Menschen wie ich wachsen mit einer Ausbildung auf, die wir als selbstverständlich nehmen und sind oft immernoch nicht zufrieden damit.
Zur offiziellen Eröffnung dieser Berufsschau durften wir dann noch das Rote Band durchschneiden (Ich habe immer gedacht, das ist für Bürgermeister und Bundesräte vorgesehen).
Im Vorgartenbereich des Gebäudes steht ein Zelt ud im Zelt stellen sich Arbeitsgeber vor. Web Essentials hat auch einen Stand. Der Stand steht auf Sandiger Erde, nichts spezielles, keine Aircon, einfach aber das war auch gut so.
Ich freue mich, dass wir dieses Jahr wieder Praktikanten aufnehmen können, so dass mehr dieser Lehrlinge den Sprung ins Berufsleben schaffen können. PS: die PNC Leute suchen immer nach Lehrkräften.
 

Alltag in Kambodscha #2: Firmeneröffnungsfeier

Written by chris on September 5th, 2014

Die Wirtschaft in Kambodscha ist am Boomen. Viele Investments werden getätigt, neue Firmen spriessen aus dem Boden. Und dennoch, der Mikrokosmos der Wirtschaft in Phnom Penh ist relativ überschaubar. So passiert es auch, dass ich an die Eröffnungsfeier einer neuen Bank eingeladen wurde. Und so kam es, dass ich an dieser Eröffnungsfeier schon etwa 20 Gesichter gekannt habe. Einige davon sind Kunden von uns, andere von anderen Kreisen.
Die etwa 300 Gäste wurden auf 10 Uhr ins Hotel bestellt. Und da waren wir nun. Irgendwann hat sich das Gerücht verbreitet, dass es erst um 11 anfängt. Schliesslich hat sich herausgestellt, dass die Regierungsdelegation kurzfristig entschlossen hat eine Stunde später zu kommen. Ausserdem werden sie mit 25 anstatt den 10 angemeldeten Begleiter kommen. Tönt harmlos, aber wenn man als Veranstalter 300 Geschäftsleute geladen hat, dann kann das sicher noch stressig sein.

Schlussendlich ist es dann also doch losgegangen. Traditionsgemäss mit der Kambodschanischen Nationalhymne.

Ich glaube die letzte Aufnahme der Nationalhymne wurde vor etwa 30 Jahren auf Tonband gemacht und seither nicht mehr. Auf alle Fälle tönt es jeweils so.

Als nächstes gabs einen Apsara Tanz. Entschuldigt die schlechte Bildqualität.

Nicht zu übersehen sind die bescheidenen Kronleuchter.

Nach dieser Zeremonie wurden wir dann von den Exellencies begrüsst. Alle VIPs hatten einen Vortrag vorbereitet. Wichtig war, dass sie alle wichtigen Gäste richtig respektierten “To his excellency this and that, to her excellency that and this”. Das füllte schon mal den halben Vortrag. Aber ich war froh, dass sich die Herren kurz gehalten hat. Die Dame von der Nationalbank hatte einen längeren Atem und hat auch viel Medieninteresse auf sich gezogen.

Noch etwas zu dem Bild im Hintergrund. Dieses Hintegrundsbild muss von der Regierung abgenommen werden. Das wurde auch gemacht. Doch eine Stunde vor dem Anlass hat ein Offizieller dann aber noch eine Beanstandung gemacht und hat das Hintergrundsbild als unzulässig eingestuft. Irgend etwas sei nicht gut mit dem Bild des Königs. Das Problem konnte dann mit einer “Busse” behoben werden.

Ach ja, weil der Anlass von 10 auf 11 Uhr verschoben werden musste, sahen sich die Veranstalter gezwungen noch ein Mittagessen für die 300 Gäste zu organisieren.

Also wenn wir die Kletterwand eröffnen stellen wir einfach einen Grill auf. Ich glaube das ist einfacher.

 

Alltag in Kambodscha #1

Written by chris on August 15th, 2014

Ich habe gedacht, ich möchte ein paar kleinere Blog Einträge über Alltagserlebnisse schreiben, die irgendwie zur Normalität worden sind, aber eigentlich fern von jeder Normalität sind. Und los gets mit der ersten Story

Vor einigen Wochen wurden wir vom Ministry of Commerce zu einem Gesundheitscheck eingeladen. Dieser Gesundheitstest muss jedes Jahr gemacht werden. Er ist erforderlich um das Workbook, also eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten. Soweit so gut. Für uns war es bereits das dritte Mal, dass wir dort hin mussten.

Das Labor Hospital befindet sich am anderen Ende der Stadt. Deswegen ist das Ganze ein mehrstündiges Unterfangen.
Im Ministry angekommen geht es zu Posten 1. Ein Empfang gibt es nicht. Aber da wir schon erfahren sind, wissen wir, dass der Posten 1 auf der rechten Seite ist. Nur… dort stehen schon 100 Leute in Reihe. Scheinbar hat eine Fabrik gerade ihre ganze Belegschaft vorbei gebracht. Also stehen wir an. Als nicht-Kambodschaner bin ich etwa 1 1/2 Köpfe grösser als alle anderen. Der zuständige Arzt widerum ist ein Kopf kleiner als alle anderen. Nach etwa 5 minuten hat dieser Herr in weiss erkannt, dass Mary und ich in der Reihe stehen und beorderte uns nach vorne. Leicht peinlich berührt haben wir unseren Weg nach vorne gebahnt. Hierbei muss erwähnt werden, dass der Gesundheitstest für einen Kambodschaner 5 Dollar kostet. Für uns kostet der selbe Test 25 Dollar. Von dem her vermutlich die Sonderbehandlung. Vorne angekommen müssen wir auf eine Wage stehen. Der kleine Doktor vermittelt den Wert dem sitzenden Doktor, der die Zahl auf ein Stück Papier kritzelt. Dann wird die grösse gemessen. Also stehe ich an den Masstab und der kleine Doktor versucht mir das Lineal auf den Kopf zu legen. Er ist etwas kurz, von dem her wird’s eine Übung für Ihn. Die anderen 100 Zuschauer lachen sich einen Krampf. Mehr Aufmerksamkeit. Wir kriegen unseren Zettel mit dem Gewicht und der Grösse und werden ins Zimmer 10 bestellt. Im Zimmer 10 sitzen zwei weitere Mediziner. Wir dürfen wieder die Reihe überspringen (sorry…). Doch der Doktor ist nicht zufrieden mit uns. Wir haben unsere Passfotos vergessen. Aber wir machen jetzt mal vorwärts. Der Doktor überträgt unsere Daten von unserem Pass auf ein Formular. Name der Mutter, Name des Vaters, Beruf, Firma, etc. Ich bin noch nicht ganz sicher, warum ein Artzt und nicht eine Sekretärin für diesen Job angestellt wurde. Ich glaube der Doktor stellt sich die gleiche Frage, denn er war leicht grummlig bei der Sache (wäre ich auch, wenn ich das 1000 Mal am Tag machen müsste). Mit Mary ist er noch weniger glücklich. Sie hat ihre Passfotos vergessen. 3 müssen es sein. Obwohl wir letztes Jahr und das Jahr zuvor schon 3 Fotos abgeliefert haben. Aber kann nachgeliefert werden. Gut. Wir müssen ins Zimmer 11. Im Zimmer 11 warten drei Junge Ärztinnen. Leicht peinlich berührt kriege ich die Anweisung mich hinzusetzen. Als sie herausgefunden haben, dass ich Khmer spreche erleichtert sich die Stimmung. Puls wird gemessen, Blutdruck wird gemessen und sie schaut mir mit einer Taschenlampe in die Augen. Interessanterweise wusste sie nach diesem Check, dass meine Augenstärke ganz in Ordnung ist.

Im Zimmer 12 erwartet mich die Hölle. Blut spenden. 4 Tropfen von meinem Blut. Also setze ich mich hin. Mir gegenüber sitzen 3 weitere Probanden, die auf ihre Behandlung warten. Privatsphäre… braucht es nicht. Ich habe der Ärztin gesagt, dass ich schrecklich Angst habe, was die Stimmung im ganzen Raum erleichterte. Spass auf meine Kosten. Ich möchte jetzt nicht auf die Hygienischen Umstände im Blutspendezentrum eingehen. Aber sie hat also eine frische Nadel im teuflischen Pieks-Gerät verwendet. Überlebt, das wars. Jetzt müssen die Papiere noch abgegeben werden und bezahlt werden. Dummerweise stehen wieder etwa 100 Leute vor dem Bezahlschalter (So Traubenförmig, Schlangenstehen gehört nicht so zur Kambodschanischen Kultur). Als wir erblickt wurden, wurden wir wieder nach Vorne beordert (Sorry…).

Fotos wurden nachgeliefert und unser Gesundheitszertifikat wurde auch geliefert. Meine Mutter heisst jetzt Amima und mein Gewicht ist 50 Kg. Hauptsache gesund. Bis in einem Jahr.

 

Kambodschas Werdegang aus meiner Perspektive

Written by chris on Juni 13th, 2014

Bald macht in Phnom Penh der erste Rolce Royce Showroom seine Türen auf. Eigendlich kaum überraschend, nachdem in den letzten zwei Jahren Mercedes, Porsche, Audi, BMW etc ihre Verkaufsgeschäfte kräftig ausgebaut haben. Man mags ihnen nicht vergönnen, denn Geschäfte gehen dorthin, wo es Kundschaft hat. Und es hat hier tatsächlich Kundschaft en Masse. Ich erlebe hier in Phnom Penh eine unglaubliche Dichte an Luxus Autos. Die Lexus habe ich schon mehrfach erwähnt. Mittlerweile wurden sie vom RangeRover überholt worden. Ein RangeRover kostet auf dem 2nd hand Markt etwa 100’000 USD. Ich frage mich wo dieses Geld, diese ungeheuren Massen von Cash herkommen. Denn die Zahl der Abfallsammelnden auf der Strasse hat nicht abgenommen. Die Zahl der unterbezahlten Fabrikarbeiter auch nicht. Die Zahl der Bauern auf dem Land, die ums Überleben kämpfen wohl oder übel auch nicht. Und dennoch, hier in Phnom Penh wächst ein nie dagewesener Wohlstand. Zur Zeit sind 3 riesen Shoppingmalls im Aufbau. Leute freuen sich auf Louis Vitton und Calvin Klein Läden. Also scheinbar tut sich was. Es stimmt. Es finded eine kleine Veränderung statt. Nicht überraschend ist, dass die reichen immer reicher werden. Aber das passiert in vielen anderen Ländern auch. Vermutlich sind es die oberen 3-5%, die von einer einfachen Mittelschicht in eine gehobene Mittelschicht sich bewegen. Zumindest hoch genug, dass sie sich ein Luxusauto leasen können oder dass die Bank ihnen einen Kredit gewährt um ein grosses Haus zu bauen. Und grundsätzlich sollte man das ihnen auch gönnen. Wäre da nicht der ganze rest, die 90 – 95% die gar nichts vom ganzen mitkriegen, die von dieser Welle von Entwicklung kaum getragen werden.
Und was ist mit all diesen Organisationen? UN, UNICEF, Worldvision und die 3000 anderen. Kambodscha hat die höchste Dichte an Nichtregierungsorganisationen der ganzen Welt. Viele dieser Organisationen machen grossartige arbeit. Andere nicht, aber es ist nicht meine Aufgabe, das zu beurteilen. Die Organisationen bauen Spitäler in Orten wo es keine Spitäler gibt, sie bauen Schulen, sie unterrichten, sie reinigen Wasser, bewässern Felder so dass Bauern 2 Mal im Jahr säen können, sie bauen Strassen, sie bauen Skateparks, sie retten Kinder aus der Sklaverei, Frauen aus der Prostitution, sie räumen riesige Gebiete von Landminen, die vom Bürgerkrieg übrig sind und noch unzähliges mehr. Zusammengefasst, die Nichtregierungsorganisationen machen das was die hiesige Regierung machen sollte, aber dazu entweder nicht fähig ist oder die Regierung sich nicht darum kümmert weil das Geld andersweit investiert wird. Ist es nicht die Aufgabe der Regierung sicher zu stellen, dass Schulen und Spitäler zur Verfügung stehen? Dass jede Person im Land Zugang zu Trinkwasser hat? Dass eine Latrine nicht ein Luxusprodukt ist?
Viele der Organisationen haben gute Absichten, eine gute Vision. Mit der Umsetzung hapert es manchmal. So stellt es sich heraus, dass lokale Wasserfilteranbieter Probleme haben ihre Produkte zu verkaufen, weil die Landbevölkerung einfach auf die Nächste Organisation wartet, die gratis Filter vorbei bringt. Dem entsprechend wird auch mit den Materialien umgegangen. Was nichts kostet ist nichts Wert. Es gibt studien die aufzeigen wie gratis Latrinen nach wenigen Monaten schon zerstört sind, während latrinen für welche bezahlt wurden, viel länger im Stande gehalten wurde. Fazit: Gratis Produkte sind nicht längerfristig tragbar sondern sie blockieren die Wirtschaft.
Aber um zurück zu meinem eigentlichen Anliegen zu kommen… Was wird gemacht um diese Wohlstandsschere zu schliessen? Oder was kann gemacht werden? Die einzige Antwort ist Ausbildung. Ausbildung führt zu Wissen und Verstand. Wer weiss wie etwas funktioniert lehrt es zu schätzen. Wer versteht, dass seine Umwelt unter unserem Verhalten leidet, der fängt hoffendlich an nachzudenken während eine ungebildete Person nicht weiss was die Umwelt ist und damit beschäftigt ist, etwas zu essen für Morgen zu finden. Aber es gibt noch viele Gründe mehr für Ausbildung. Und um eines klarzustellen, ich spreche nicht von Akademischem Hochschulabschluss, aber ich spreche von Grundausbildung und Berufsbildung. Ich hege die leise Hoffnung, dass wenn eine besser ausgebildete Generation heranwächst, auch diese Leute in der Regierung und Administration was ändern können. Und ja ich bin mir bewusst, dass Kim Jong Il in der Schweiz ausgebildet worden ist und nichts gelernt hat.
Ausbildung gibt den Menschen Selbstständigkeit. Selbstständigkeit bringt selbstvertrauen. Selbstvertrauen bringt Erfolgserlebnisse. Und je mehr selbstständige Menschen wir in Kambodscha haben, desto weniger sind Organisationen nötig, die das Wissen ins Land importieren.
Ich darf hier die erste Generation von Kambodschanern beobachten, die so langsam aber sicher mit dem richtigen Wissen ausgestattet werden um das Land vorwärts zu bringen. Viele von ihnen sind späteinsteiger. Und die nächste Generation wird schon viel besser vorbereitet sein. Aber bis dorthin geht es noch eine Weile. Dieses Wissen offenbart eine wunderschöne Seite unserer Arbeit hier in Kambodscha. Anderseits, das fehlende wissen macht die Arbeit auch unerträglich. Ich habe das Gefühl, dass diese Gefühlschwankungen sehr anstrengend sind.
Ich wünsche mir, dass diese Generation, die ich hier aufwachsen sehe mehr als eine Generation aufwächst die weiss was sie haben, die weiss wie man mit der Natur umzugehen hat, die weiss wie man mit Menschen umzugehen hat, die weiss wie man mit Wohlstand und Armut umzugehen hat. Und bis es soweit ist versuche ich mich ab den kleinen Schritten zu freuen.
Ein kleines Beispiel: Meine Mitarbeiterin Leak stört sich extrem an den grossen Mengen Abfall, die überall herumliegen. Littering ist hier Volkssport. Die wenigsten störts. Leak störts. Und sie will was dagegen tun. Und ich bin mir sicher dass sie was dagegen tun wird. Und darauf freue ich mich.
Oder, meine Verkehrsinitiative auf Facebook habe ich einem Kambodschaner übergeben. Er hat Drähte direkt in die Regierung und will Veränderung bringen. Ich finde das supert.
Ich denke die Zeiten gehen vorbei wo der weisse Mann kommt und sagt wie Dinge getan werden müssen. Ich denke die Kambodschaner haben genug von dem gehört. Ich hoffe dass je länger je mehr sich die Kambodschaner selber vorwärts bringen.

 

Happy Kilometer-Day Moped

Written by chris on Juni 7th, 2014

Liebes Moto

Heute ist ein Tag zum feiern. Du bist 40000 KM alt. Als ich dich gekauft habe war ich noch ein unerfahrener Motorrad fahrer. Und du warst ein unerfahrenes Motorrad. Mit deinen knapp 4000 KM warst du ein fast neuer Honda Daelim Citi 100. Wobei man das Citi weglassen kann. Wir haben bald festgestellt, dass du im tiefen Herzen ein Offroader bist. Mit deiner Grösse ist das zwar ein wenig eine Sache… aber nimmt man in betracht wieviele Schlaglöcher du meistern musstest… dann gehst du doch als Offroader durch. Denn wo andere Mofas ihr Chassis verkratzen, da gehst du durch und wenn halt doch einmal was an deinen Rahmen knallt, dann beschwerst du dich nicht. Moped, wir hatten viele schöne Stunden. Du hast mich und Mary überall hingebracht und hast uns noch kaum in Stich gelassen. Sogar wenn dir das Benzin ausgegangen ist, bist du dann trotzdem noch die nötigen 500 meter gefahren. Auch im Regen schlägst du dich meisterlich. Du fährst durch überschwemmte Gebiete wo jeder Scooter vor Schreck sich zurück zieht. Solang dir niemand das Luftloch verstopft fährst du weiter.
Ist dir eigendlich bewusst, wieviele Menschen auf dir Motorrad fahren gelernt haben? Ausserdem bist du auch ein sehr treuer Familienfreund. Du musst dir alle Diskussionen von Mary und mir während der Fahrt anhören. Du kennst viele unserer Geheimnisse und trotzdem behaltest du es für dich.
Liebes Moto, alle die das lesen, denken ich bin nicht ganz dicht oder es ist zu heiss. Aber alle, die mit ihrem Fahrzeug die 40000 km marke überschritten haben, wissen von was ich spreche.
Auf die nächsten 40000!a

 

Kleider – Wo ist das Problem?

Written by chris on April 2nd, 2014

Eine Diskussion mit meinem Freund und Langjährigen Supporter Peter hat mich dazu motiviert wieder einmal einen Blog zu schreiben. Wir beiden lieben unsere Levis Jeans. Aber ein Artikel auf der Clean Clothes Initiative hat uns aufgezeigt, dass Levi Strauss gar nicht zu den Vorzeigefirmen gehört.

Ich denke hier in Kambodscha wird die ganze Problematik mit der Kleiderproduktion real. Aber wiederum verliert man sich gerne in einer Doppel- sogar Tripplemoral.

  • Wir wollen schöne Kleider
  • Wir wollen günstige Kleider
  • Alternativen gibt es kaum. Was tun? Nackt herumlaufen?
  • Länder wie Kambodscha brauchen diese Industrie

Und das mit den günstigen Kleider trifft auch nicht ganz zu, denn wir bezahlen ein heiden Geld für Markenkleider und nur ein Bruchteil davon kommt beim Schneider an.

Der Schneiderlohn hier reicht kaum zum überleben. Aber das ist nicht das einzige Problem.

  • Fabriken sparen an allen Ecken und Kanten. Das führt dazu, dass Mitarbeiter mit Transport Trucks stehend zu den Fabriken und nach Hause transportiert werden. Hoch gefährlich und unangenehm.
  • Die Fabriken liegen abgelegen. Es gibt kein Essen. Die Fabrikarbeiter müssen das Essen das autorisierte Verkäufer zur Verfügung stellen kaufen. Das Essen ist zwar billig, aber qualitativ Grottenschlecht. Viele Arbeiter werden krank vom Essen.
  • Damit Mitarbeiter einen genügenden Lohn erhalten müssen sie Überstunden leisten. Mindestens 50%.
  • Arbeiterinnen, die in der Nähe der Fabrik arbeiten müssen ihr Zimmer mit 5 anderen Frauen leisten, so dass sie sich die Miete leisten können. Um genug Geld zu verdienen müssen diese Frauen anschaffen.

Ein Transport dauert nicht selten länger als eine Stunde. Der Arbeiter muss dafür selber bezahlen.

Jetzt stellt man sich Mal vor. Wenn man den Lohn eines Mitarbeiters verdoppeln würde, würde das wahrscheinlich auf etwa 5 Rappen pro Kleidungsstück herauskommen. Faktisch nichts. Dennoch ist man nicht kompromissbereit auf dieser Ebene.
Aber damit noch nicht genug. Manchmal passiert es tatsächlich, dass Mitarbeiter einen höheren Lohn erhalten. Was darauf hin passiert ist zum Krank werden. Die Renten gehen hoch, die Verkäufer verlangen mehr für ihr Essen, der Transport nach Hause wird teurer. Bottom Line: Der Mitarbeiter hat nach der Lohnerhöhung weniger Geld als zuvor.
Aber jetzt müssen wir auch die Wirtschaft in Betracht ziehen. Die Fabriken kreieren Jobs für Tausende Kambodschaner, die sonst auf dem Reisfeld arbeiten würden. Die Fabrik zahlt sich immer noch besser aus als das Reisfeld (oft zumindest). Für viele Menschen ist ein Job in der Fabrik immer noch eine bessere Lösung. Aber das soll nichts rechtfertigen.
Was können wir tun? Fair trade Jeans die aussehen, wie wenn sie für Joe aus Texas designt worden sind? Vermutlich nicht.
Fair trade lohnt sich immer zu unterstützen. Aber das Angebot ist limitiert.
Aber wir können Druck auf die Firmen aufbauen. Speziell auf Social Media haben wir direkten Zugriff auf die Firmen. Es reicht nicht, wenn es einige machen, es funktioniert nur wenn es alle machen.
Hier ein erster Schritt: Unterschreibe die Clean Clothing Initiative.

Zweiter Schritt: Teile diesen Artikel auf Facebook, Twitter, etc, denn wir müssen informiert sein und informieren um die richtigen Entscheidungen zu Fällen. Firmen, die sich anstrengen sollten belohnt werden. Firmen die sich nicht kümmern sollten das spüren.

Es gibt bereits super Firmen, die dringend auf Kunden angewiesen sind, denen die Herkunft ihrer Arikel wichtig ist. Hier ein Beispiel: Nomi Network: Das ist ein Projekt einer guten Freundin von uns.
Wäre natürlich super, wenn die in der Schweiz diese Produkte vertrieben werden würden im grossen Stil. Sobald es sich für derartige Projekte lohnt, können diese Projekte auch mehr produzieren.

Und sonst: http://www.cleanclothes.org/ folgen, Twittern, die Nachricht auf Facebook teilen, Firmen anschreiben, etc.

 

Verkehr in Kambodscha, ein riesen Problem

Written by chris on Mai 28th, 2013

Vieles ist hier anders. Und je laenger ich hier bin desto eher gewoehne ich mich an vieles. Aber es gibt einige Dinge, das faellt es mir aeusserst schwer, mich daran zu gewoehnen. Und ehrlich gesagt, moechte ich mich auch nicht damit zufrieden geben, weil ich das Gefuehl habe, dass etwas gemacht werden muss. Eines dieser Probleme ist der Verkehr. Ich habe den Verkehr schon einige male behandelt aber eher mit einer humorvollen Note. Die Wirklichkeit ist, der Verkehr hier ist ein echtes Problem.

Kambodscha hat vermutlich die hoechste Sterberate im Verkehr weltweit (im Vergleich zur Bevoelkerung). Gerne wuerde ich eine Nummer praesentieren, aber im Moment habe ich keine zuverlaessige Zahl. Laut der WHO sind im 2010 mehr als 1800 Personen auf Kambodschas Strassen gestorben. Im 2012 waren es um die 2012. Die Zahl der verletzten laesst sich kaum festhalten, weil viele betroffene nicht behandelt werden und somit nie registriert werden.

Doch warum kommt es ueberhaupt soweit? Hier ein paar gruende, wiso es so oft zu Unfaellen kommt:

  • Lasche Gesetzgebung. In der Schweiz haben wir hunderte von Verkehrsregeln. In Kambodscha etwa deren 100.
  • Die Polizei. Das Polizei wesen ist unterbezahlt, unausgebilded, korrupt und verfuegt nicht ueber die noetigen Werkzeuge um Gesetze ueberhaupt durchzuziehen. Die Polizei kuemmert sich nur um rudimentaere Gesetze, die am einfachsten Umsatz generieren. Ueber Rot fahren, Einbahnstrasse, Licht am Tag (kein offizielles Gesetz, wird aber trotzdem bestraft), Kein Seitenspiegel, oder auch einfach so ohne Grund.
  • Infrastruktur. Ein funktionierendes Bussensystem ist sofern gar nicht moeglich, weil es kein funktionierendes Bezahlungssystem gibt. Fahrzeuge haben zwar ein Nummernschild, aber das Nummernschild wird mit dem Fahrzeug vererbt. Mein Motorrad ist auf dine Person registriert, die ich nicht kenne. Folglich waere es gar nicht moeglich mir eine Rechnung nach Hause zu schicken. Des weiteren haben viele Personen gar keine eigentliche Postadresse. Also bleibt nichts anderes uebrig als Cash auf die Hand.
  • Status. In Kambodscha haben wir ein ausgepraegtes Statussystem. Und Fahrzeuge sind der Ausdruck von Status. Der Fahrer eines Lexus spricht sich selber mehr recht zu als dem Fahrer eines Camris. Der Camri Fahrer setzt seine Rechte ueber den Motorradfahrer, der Motorradfahrer mit einem neuen Motorrad stellt sich ueber den Fahrer eines alten Motos, etc. Dem entsprechend verhalten sich die Leute respektlos und ruecksichtlos.
  • Ignoranz. Fahrer, die das Gefuehl haben, dass sie ueber anderen stehen benehmen sich sehr ruecksichtslos im Verkehr. Sie gehen davon aus, dass sie unverletzbar sind. Ihnen will nicht bewusst sein, dass ein Verkehrsunfall sie genau so ins Verderben bringen kann.
  • Nicht-Wissen. Verkehrsregeln sind Gesetze die der Polizei dienen um Geld zu machen. Deswegen werden Verkehrsregeln nicht als nuetzlich oder etwas hilfreiches angeschaut. Niemand kennt den Grund der eigentlichen Verkehrsregeln.
  • Schlechte Fahrzeuge. In Kambodscha gibt es zwar eine Art Fahrzeugkontrolle, aber ob die ueberhaubt angewended wird, glaube ich nicht. Um Steuern zu sparen werden Autos in 2 Haelften gesaegt bevor sie importiert werden. Dann werden sie wieder zusammengeschweisst. Unfallfahrzeuge werden von den Staaten importiert und hier teuer verkauft. Das sind Autos, die dort niemand mehr kaufen wuerde. Hier werden sie als Luxusfahrzeuge verkauft. Mann kann sich ja vorstellen wie diese Fahrzeuge zusammengelegt werden bei einem Unfall.
  • Ueberladene Fahrzeuge. Um Sprit und Schmiergelder zu sparen werden Lastwagen und Autos ums X-fache ueberladen. Solange nichts runterfaellt ist ja gut.
Ein Unfall ist immer tragisch. Zusaetzlich bedeuted ein Unfall hier sehr oft den Ruin fuer eine ganze Familie. Spitalbehandlungen kann sich fast keine Familie leisten. Doch wenn sie das Geld nicht auftreiben, dann stirbt das Opfer im Spital. So stuerzen sich die Familien in grosse Schulden. Versicherungen gibt es, aber kaum jemand nuetz sie (Hierbei ein grosses Kompliment an die Organisationen, die Unfallversicherungen guenstig verfuegbar machen).
Ich verspuere den grossen Drang etwas zu machen. Korruption kann nicht von heute auf Morgen behoben werden. Das ist ein tief verwurzeltes Problem. Die Infrastruktur muss auch ueber viele Jahre hinaus aufgebaut werden. Das Vertrauen in die Polizei kann auch nicht so einfach wieder hergestellt werden. Vor allem solange sich die Polizei nicht veraendert.
Ich sehe die grosse Chance bei der Aufklaerung der Leute. Die Leute muessen verstehen, wiso es wichtig ist einen Helm zu tragen. Im Moment schreibt das Gesetz vor, dass der Fahrer ein Helm tragen muss. Der Beifahrer aber nicht. Das widerspricht jeglicher Logik. Dementsprechend ist auch das Verstaendnis sehr Gering, dass ein Helm zum Schutz getragen werden muss und nicht um sich einer Busse zu entziehen. Das fuehrt auch dazu, dass viele einen Alibihelm anhaben, der vermutlich genau so viel nuetzt wie eine Skikappe.
Ein anderes Problem ist das Licht. Am Tag ist das Licht abzustellen, weil es die Polizei so verlangt (wurde vom Premier so installiert). Nur Leute von hohem Status duerfen das Licht anbehalten. In der Nacht sollte das Licht eigentlich angestellt sein, aber es gibt keine Polizei, die das kontrolliert, denn die Polizei hat kein Budget um Personal in der Nacht aufzustellen. Viele fahrer sind ohne Licht unterwegs. Das allgemeine Verstaendnis sagt, dass ein Auto oder Moto Licht hat um die Strasse besser zu sehen. Dass das Licht hilft um gesehen zu werden ist vielen nicht bewusst. Dem entsprechend kuemmern sie sich auch nicht darum das Licht zu reparieren oder ueberhaupt anzustellen.
Ich habe mir zum Ziel gesetzt ein Manifest zu erstellen, das die 10 wichtigsten Verhaltensregeln im Verkehr erklaert. Das soll nicht in Form von Gesetzen (du musst… du sollst…) aber viel mehr in Form von Erklaerungen passieren, so dass es den Leuten einleuchtet.
Auf einer Facebook Gruppe versuche ich herauszufinden was die Kambodschaner ueber die jetzige Verkehrssituation denken. Durch diese Gruppe bin ich zur erkenntnis gekommen dass das die groessten Probleme und Unfallverursacher sind.
  • Kein gegenseiter Respekt
  • Das nich respektieren von Ampeln
  • Rasen und Ruecksichtsloses Fahren
  • Alkoholisiertes Fahren
  • Auf der falschen Strassenseite fahren
  • Keinen Helm tragen
  • Telefonieren waehrend dem Fahren
Diese und andere Punkte moechte ich definieren und erklaeren. Wiso ist es wichtig sich an die Regeln zu halten und was sind die Konsequenzen wenn nicht, etc.
Wie genau ich weiterfahren moechte weiss ich noch nicht genau. Ich bin jedoch in Kontakt mit Designer und anderen Personen, die mithelfen wollen.

 

 

Khmer-Schrift

Written by chris on April 3rd, 2013

Mit freundlicher Genemigung von Tobias Stoeckli: http://cambotoesia.webnode.com

Die kambodschanische oder khmer-Sprache kann kurz so umschrieben werden:

-einfache Grammatik
- kompliziertes Schriftsystem
- pingelige Aussprache

Die Schrift der Khmer besteht aus 32 Konsonanten, etwa gleich vielen Vokalen und vielen Sonderzeichen.
Die Konsonanten sind in 2 Gruppen eingeteilt und haben immer noch einen angehängten Vokal dabei (z.B. K ist Koo)

Dabei unterscheiden sich die einzelnen Konsonanten z.B. auch dadurch, ob sie ein hörbares h mit sich haben oder wie weich sie gesprochen werden. Es gibt z.B. ein k aber auch ein kh, ein b, etwas zwischen b und p und ein ph.

Die Vokale klingen nun anders, je nachdem mit welcher der beiden Konsonantengruppen sie kombiniert werden. z.B. klingt der gleich geschriebene Vokal mit der ersten Konsonantengruppe wie ein oo, mit der anderen Gruppe wie ein au. Dabei gibt es ganz feine Nuancen, die wir Europäer zuerst hören lernen müssen. Es kommt z.B. darauf an, ob das i lange oder kurz gesprochen wird, ob das au eher offen oder nasal oder die Betonung auf dem u von au liegt.

Wenn zwei Konsonanten auf einander folgen, (z.B. KL) wird der zweite Konsonant anders geschrieben, damit der erste (K) nicht mit dem dazugehörigen Vokal (zb Koo) gesprochen wird (sonst wüde man KooL anstatt KL aussprechen).

Erschwerend dazu kommt, dass manche Bustaben aus zwei Zeichen bestehen, die vor und hinter den vorigen Buchstaben geschrieben werden.

Dazu kommen noch viele Sonderregeln, Sonderzeichen und Ausnahmen.

Selig, wer das alles begreift und anwenden kann!

Mehr Infos: http://cambotoesia.webnode.com/kambodscha/khmer-schrift/
Erstellen Sie Ihre eigene kostenlose Webseite: http://de.webnode.com